Insurance Monday: Digitalisierung & Versicherung

Zukunft der Versicherungen: Von statischen Modellen zu lernenden Systemen

Insurance Monday / K2G Episode 166

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Willkommen zu einer neuen Folge von Insurance Monday! In dieser Episode sprechen wir mit Salvatore Scuderi, Head Insurance Data & AI bei K2G, über die grundlegende Transformation der Versicherungswelt. Während viele traditionelle Versicherer noch mit Datenmodellen aus der Vergangenheit arbeiten, steht die Branche kurz vor einem Umbruch: Weg von starren Statistiken, hin zu dynamischen, KI-gestützten Echtzeit-Lösungen.

Salvatore teilt seine jahrzehntelange Erfahrung – von den ersten Digitalisierungsprojekten bis zum aktuellen Fokus auf hybride Intelligenz zwischen Mensch und Maschine. Wir diskutieren, wie Versicherungen aus ihren riesigen Datenschätzen echten Mehrwert schaffen, warum kulturelle und organisatorische Hürden größer als technologische sind, und was sich in der Branche in den letzten Monaten rasant verändert hat.

Freut euch auf praxisnahe Einblicke, greifbare Beispiele aus laufenden Kundenprojekten und einen spannenden Ausblick auf die nächsten fünf Jahre – mit Tipps, was Versicherer tun sollten, um nicht den Anschluss zu verlieren. 

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Herbert Jansky [00:00:00]:
Hallo und herzlich willkommen zum Insurance Monday Podcast. Kleingedrucktes aus der Finanz und Versicherungswelt. Dein Podcast mit spannenden Insights und exklusiven Gästen aus der traditionellen und digitalen Finanzwelt. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Insurance Monday Podcasts. Versicherungen basieren seit Jahrhunderten auf einer einzigen der Einschätzung von Risiken. Doch während sich unsere Welt aktuell gefühlt in Sekunden verändert, arbeiten viele Versicherer im Hintergrund noch mit Datenmodellen, die eher an Rückspiegel als an Fernlicht erinnern. Mein heutiger Gast will das ändern. Mit KG bringen sie gestützte Echtzeit Preiskalkulation und Risikooptimierung direkt in das Herzen der Versicherungsbranche.

Herbert Jansky [00:01:02]:
Wir sprechen heute darüber, wie man aus abstrakten Daten faire Preise und profitables Wachstum macht. Willkommen bei uns, Salvatore. Bevor wir tiefer einsteigen und in die schnellen 5 gehen, herzlich willkommen. Stell dich unseren Zuhörern bitte kurz vor.

Salvatore Scuderi [00:01:22]:
Vielen Dank, Herbert. Ich freue mich sehr, hier heute zu sein und du sprichst einen entscheidenden Punkt Die Versicherungsbranche steht genau an diesem Übergang, also weg von statischen Modellen hin zu dynamischen, lernenden Systemen. Mein Name ist Salvatore Scuderi, Head Insurance Data and ai by KG in 2017 Schweizer gegründetes und börsencodiertes Unternehmen mit Sitz in bar im Kanton Zug. Der Ursprung von KeyG ist im Risikomanagement, also Telematics. Ich bin seit 26 Jahren in der AC Kuranz unterwegs und durfte viele Transformationsprojekte erleben, in 2006 das erste Digitalisierungsprojekt durchführen und 20 Jahre später spricht man immer noch über Digitalisierung. Ich durfte Studien leiten im Bereich von Claims, Fraud und Datenschutzthemen im Gesundheitswesen bei Krankenversicherer, bin Vordenker im Bereich hybride Intelligenz und strategischer Entscheidungsprozesse. Aufbauend auf meiner Forschung und langjährigen Erfahrung in Trasekuranz verbinde ich also Technologie, Führung und Entscheidungslogik. Im Zentrum steht für mich die Entwicklung eines neuen Verständnisses von Entscheidung als Zusammenspiel von Menschen, Maschinen und Kontext.

Salvatore Scuderi [00:02:58]:
Also nicht AI wird den Menschen ersetzen, sondern der Mensch wird den Menschen ersetzen, der keine AI nutzt. Es gibt unzählige Firmen, die wegen AI Personal aufstocken, da klassische Aktuars und IT Strukturen nicht ausreichen.

Herbert Jansky [00:03:17]:
Salvatore danke dir. Man hört, liebe Zuhörer, wir sind international unterwegs. Erstmal am Namen erkennt Salvador Escuderi, klingt italienisch und er spricht wie ein Schweizer. Ich freue mich, dass wir so international heute unterwegs sind mit dir, Salvadore. Und gleichzeitig haben wir ein super spannendes Thema mit dabei. Bevor wir Du hast schon einen kurzen Teaser gegeben bei deiner Einleitung, bevor wir dann näher reingehen, möchte ich aber noch die schnellen 5 mit dir machen. Lieber Salvatore. Halte dich fest, Kurze Antworten.

Herbert Jansky [00:03:49]:
Frage Nummer 1 Algorithmus, Entscheidungen oder menschliches Bauchgefühl?

Salvatore Scuderi [00:03:55]:
Algorithmus als Fundament, damit das menschliche Bauchgefühl die strategischen Entscheidungen treffen kann.

Herbert Jansky [00:04:04]:
Innovation Am Reißbrett oder Trial and Error direkt am Markt?

Salvatore Scuderi [00:04:08]:
Ganz klar Trial and Error direkt am MarkT, denn Perfektion auf dem Papier überlebt den ersten Kundenkontakt selten.

Herbert Jansky [00:04:19]:
Jetzt, liebe Zuhörer, ihr seht uns nicht. Ich hätte eine Vermutung, lieber Salvatore. Anzug oder Hoodie?

Salvatore Scuderi [00:04:27]:
Hoodie. Wir sind ja schließlich ein Tech Startup.

Herbert Jansky [00:04:32]:
Perfekt. Und genau das sieht man. Vollkasko Mentalität oder kalkuliertes Risiko?

Salvatore Scuderi [00:04:38]:
Kalkuliertes Risiko, genau das optimieren wir ja für unsere Kunden.

Herbert Jansky [00:04:44]:
Und jetzt haben wir natürlich Frage 5, eine Überleitung. Der Schatz im Silbersee oder Versilber meine Schätzchen.

Salvatore Scuderi [00:04:52]:
Ich hab zwar als Kind immer Winnetou gemacht, aber hier ganz klar den Schatz versilbern. Daten nützen nichts, wenn sie nur vergraben liegen.

Herbert Jansky [00:05:02]:
Salvatore im Vorgespräch sagtest du mir bereits, dass du die Daten letztendlich als Goldschatz siehst. Kannst du uns ein bisschen Kontext geben, was du damit meinst?

Salvatore Scuderi [00:05:16]:
Ja, sehr gerne. Die Versicherungsbranche sitzt auf einem Goldschatz von Daten. Daten ohne Ende und das ist nicht übertrieben, sondern faktisch korrekt. Also Versicherungen haben Lebensdaten, wie zum Beispiel Alter, Familienstand, Beruf. Wenn es zu Schadensmeldungen kommt, haben sie Verhaltensdaten, Interaktionen, wenn es darum geht um die Prämien, die Zahlungsfähigkeit. Sie besitzen Finanzdaten im Gesundheits und Lebensversicherungsbereich. Diese Gesundheitsdaten und Ereignisdaten über die letzten 100, wenn nicht mehr Jahre. Und trotzdem werden Entscheidungen immer noch wie vor 20 Jahren getroffen.

Salvatore Scuderi [00:06:19]:
Also den Versicherungen, denen fehlt es nicht an Daten. Jedoch werden diese Daten suboptimal genutzt. Und genau das ist das Problem. Das Problem ist nicht der Datenmangel, sondern die Denkmodelle. Die meisten Entscheidungen basieren immer noch auf historischen Statistiken, starren Tarifen, isolierten Systeme, Silos hier zu erwähnen und menschlicher Intuition ohne datengetriebene Unterstützung. Entscheidungen wie vor 20 Jahren, also früher und oft heute noch. Risiko wird expose bewertet, also nachdem etwas passiert ist. Die Kunden werden in statische Segmente gepackt.

Salvatore Scuderi [00:07:11]:
Interaktionen sind eher reaktiv als proaktiv letztendlich. Entscheidungen sind immer noch regelbasierend, also nicht unbedingt lernend, was heute ja möglich wäre. Echtzeit Risikobewertung, personalisierte Angebote entlang des Lebenszyklus des Menschen, Vorhersage von Ereignissen, beispielsweise Predictive Analytics möchte ich hier erwähnen und natürlich mit der neuen Technologie das kontinuierliche Lernen durch KI. Also der GAP ist nicht technologisch, er ist, würde ich sagen, kulturell und vor allem auch organisatorisch, denn die Technologie ist ja bereit, die Organisation hinkt ja oft hinten nach. Ich möchte hier gerne ein einfaches Beispiel nennen im Bereich Lebenszyklus eines Menschen. Dieses Beispiel beruht auf einem Projekt, das ich leiten durfte bei einem internationalen Versicherungskonzern. Der klassische Versicherungsansatz heute noch Realität. Also nehmen wir an, ein Kunde wird mit 25 eine Police bekommen, dann vielleicht 10 Jahre nichts hören oder ziemlich sicher 10 Jahre nichts hörren.

Salvatore Scuderi [00:08:41]:
Wenn nicht mehr, dann trifft ein Schaden, dann wird die Versicherung kontaktiert, der Schaden wird ausbezahlt, dann wieder Funkstille. Also was ich da sagen mö Es findet keine Begleitung statt, keine Intelligenz und vor allem auch kein Kontext und aus meiner Sicht, wie es eigentlich sein müsste. Da gibt es eine Firma in der Schweiz, die macht regelmäßige Kuschelcalls, nicht in der Versicherungsbranche, in der Telekom Branche. Also stellen wir uns mal Die Versicherung würde den Lebensweg eines menschen wirklich verstehen. 25 Jahre, erster Job, da ist vielleicht die Absicherung, Sparprodukte mit dreiig hat er vielleicht eine Familie heiratet, da ist die Risikoabsicherung, die Vorsorge ist ein Thema, später ein Hauskauf, die Hypothek, Schutzlösungen, vielleicht das eine oder andere teure Bild gekauft, weil er ja mehr verdient, eine tolle Uhr und eine super tolle Golfausrüstung etc. Und plötzlich, wenn er nicht selbst dran denkt, hat er eine Unterdeckung in der Hausratsversicherung. Was heißt jetzt das? Wenn jetzt irgendwas passiert, sind halt gewisse Dinge nicht versichert, mit 50 dann der Vermögensaufbau, Investmentstrategien, wenn wir es dann alle schaffen, mit 65 dann in die Rente, in die Pension zu gehen, wo dann die Einkommensplanung ein Thema ist. Die Daten dafür haben ja Versicherungen längst, aber nutzen sie nicht, um den Kunden aktiv durch diesen kurzen Lebenszyklus, den wir Menschen haben, zu begleiten.

Salvatore Scuderi [00:10:44]:
Ich nenne das bewusst Kuschelkals. Nicht im Sinne von weich, sondern im Sinne von nähe, eben kundenorientiert und weniger Produktorientierung. Das hört man immer wieder. Wir wollen kundenorientiert sein, aber wenn ich der Versicherung anrufe, dann wollen sie von mir eine Policennummer. Und diese Policennummer ist halt leider immer Produktorientierung, produktorientiert. Also auch da ein kleiner Widerspruch. Also relevante datenbasierte und menschliche Interaktion zum richtigen Zeitpunkt. Also nicht irgendwie Random Calls, nicht Vertrieb um jeden Preis, sondern würde ich sagen, kontextbasierte Ansprache, echter Mehrwert am richtigen Moment, zum richtigen Zeitpunkt.

Salvatore Scuderi [00:11:42]:
Hier ein kleines Hast du Kinder?

Herbert Jansky [00:11:46]:
Herbert Ja, nicht nur eins, zwei sogar. Ich lebe hier im Drei Mädels Haus.

Salvatore Scuderi [00:11:53]:
Sehr schön. Also dein Kind kommt jetzt bald in die Schule. Nehmen wir mal an, Hast du schon an XYZ gedacht? Das ist für mich datengetrieben plus Relevanz, plus menschlich. Oder eben, wie vorhin erwähnt, einen Kuschelkal macht und danach fragt, ob bei dir die Haushaltsversicherung die Versicherungssumme noch stimmt. Ein anderes Beispiel, das ich auch immer gerne nenne, ist, wenn eine Frau in die Apotheke geht und sich Stützstrümpfe kauft. Diese werden meistens von der Kasse übernommen. Wenn eine Frau zur Apotheke geht und solche Stützstrümpfe kauft, kann man davon ausgehen, dass sie vielleicht schwanger ist. Wieso gibt es keine Interaktion des Krankenversicherers? Ebenso einen Kuschelkarl? Ob da noch irgendetwas in der Veränderung ist.

Salvatore Scuderi [00:12:55]:
Also die Zukunft der Versicherungsbranche entscheidet sich nicht daran, wie viele Daten sie hat, sondern daran, wie gut sie daraus Entscheidungen trifft, die schlussendlich dann das Leben, dein Leben, mein Leben, das Leben der Kunden wirklich begleiten.

Herbert Jansky [00:13:17]:
Verstanden. Salvatore, danke dir für den Überblick und die Sichtweise. Du hast eigentlich gesagt auch es fängt im Kopf an, in der Mentalität, in den Prozessen. Es liegt nicht an der Technik und das hat auch was mit Lernen und Offenheit zu tun. Und jetzt, du sitzt mir gegenüber, du hast eben erwähnt, du bist eigentlich ein Urgestein der Versicherungsbranche, HAST deinen ersten Digitalisierungs Case schon vor 20 Jahren gemacht. Und was ich von dir jetzt gelesen habe, ist, du Hast gerade ein PhD gemacht, das heißt, du hast die Schulbank oder Universitätsbank ja gerade gedrückt mit vermutlich etwas jüngeren Kollegen, als du jetzt bist. Was hat dich dazu bewegt, das zu tun und was war auch Der Fokus im PhD?

Salvatore Scuderi [00:14:08]:
Ja, es war tatsächlich eine harte Zeit, kurze Nächte, keine Wochenenden und wie du sagst, Schulband gedrückt mit Personen, die einiges jünger waren als ich, was natürlich sehr spannend war, auch für meinen persönlichen Lernerfolg, warum ich das gemacht habe. Ich habe die letzten fünf Jahre viel in diesem Thema AI, sechs Jahre mittlerweile viele Kundengespräche durchgeführt und habe dann einfach irgendwie gemerkt, dass irgendwie passt da vieles noch nicht ganz zusammen. Ich habe dann entschieden, aufgrund meinem akademischen Werdegang dann nochmal die Schulbank zu drücken und habe dann den PhD begonnen und erfolgreich abgeschlossen. Also in meiner Forschung habe ich mich vor allem darauf konzentriert, die Adoption von KI basierter hybrider Intelligenz, um mit hybrid meine ich Mensch Maschine in strategischen Entscheidungsprozessen zu untersuchen. Es war eine qualitative Studie mit Interviews bei Führungskräften in der Asse Curranz. Und weißt du, was mich dabei überrascht hat?

Herbert Jansky [00:15:34]:
Sag's mir.

Salvatore Scuderi [00:15:35]:
Trotz der rasanten K Entwicklung der letzten Jahre oder Monate schon fast, sind CXOs noch immer nicht bereit, Prozesse vollständig an die KI abzugeben. Da spielt Blackbox eine Rolle, da spielt die Kultur eine Rolle, die Governments und so weiter. Aber es vollzieht sich, was ich jetzt sehe im Rahmen von dem Zeitpunkt, wo ich die Interviews fertiggestellt habe, bis ich zur Analyse gegangen bin, Das sind ungefähr acht Monate. Und wenn ich jetzt heute mit Kunden rede, sehe ich einen spürbaren Wandel im Denken. Also ich spreche da von acht Monaten, nicht von Jahren. Sie sind heute bereit, die Routine der KI zu überlassen. Die eigentliche Entscheidung muss jedoch nach wie vor beim Fachexperten bleiben. Es fordert Newman in the Loop sozusagen.

Salvatore Scuderi [00:16:44]:
Und ich denke, dieser Ansatz liefert kognitiven Mehrwert und stellt gleichzeitig eindeutige Führungsverantwortung des Menschen sicher.

Herbert Jansky [00:16:57]:
Ja, Führung und Effizienzen sogar, würde ich sagen. Also das Kognitive und die Effizienz weil wir jetzt schon einsteigen Richtung KI und auch Agentic ein Stück weit gestreift haben. Magst du mir noch mal deine Definition geben für KI und Agentic AI, Damit klar ist für mich und auch die Zuhörer, was dein Verständnis davon ist, weil es ja doch unterschiedliche Definitionen gibt.

Salvatore Scuderi [00:17:24]:
Ja, sehr gerne und am besten mache ich das. Am einfachsten mache ich das über eine Analogie.

Herbert Jansky [00:17:30]:
Perfekt.

Salvatore Scuderi [00:17:32]:
Die klassische KI ist wie ein Junior Mitarbeiter. Er kann relativ viel, aber man muss ihn bei jedem Schritt kontrollieren und anleiten. Argentic AI dagegen ist wie die Arbeit mit einem ganzen Team. Man rückt auf die Ebene eines Abteilungsleiters. Das Team entscheidet selbst, wer was macht und wie das Ergebnis zusammenkommt. Man macht am Ende nur noch den Review und die Freigabe oder schlimmstenfalls zurück zur Überarbeitung. Genauso ist KeyG aufgebaut, ein Orchestrator spezialisierter Agenten, die die Routine übernehmen und die strategischen Entscheidungen bleibt nach wie vor beim Menschen Verstanden.

Herbert Jansky [00:18:37]:
Danke für die Erläuterung. Du hast den PhD gemacht und bist da in der Branche rumgekommen, hast dich damit beschäftigt, was die Schmerzpunkte sind. Du kennst es aus deiner Vergangenheit, wenn du aktueller Stand auf die Branche schaust und du hast gesagt ja, es verändert sich sehr, sehr rasant. Aber was sind die größten Schmerzpunkte, die aktuell in der Branche liegen?

Salvatore Scuderi [00:18:58]:
Also ich denke, der größte Schmerzpunkt ist Time to Decision. Also wenn wir vorhin gesprochen haben, die schnell lebende Zeit von diesen acht Monaten wäre meine Studie und natürlich dann auch schlussendlich Time to Market. Also der Markt bewegt sich quasi im Minutenbereich. Er ist volatil, er ist unsicher, es ist komplex und vor allem auch mehrdeutig in anderen Es verändert sich schnell. Wir wissen nicht alles. Die Zusammenhänge sind komplex und Entscheidungen bleiben nach wie vor unscharf. Die Reaktion eines Versicherers in Wochen oder Monaten, also Tarife werden sogar quartalsweise angepasst. Beispiel Portfoliosteuerung läuft über Reports, die schon beim Export veraltet sind.

Salvatore Scuderi [00:20:02]:
Das kostet eigentlich auf beiden Seiten schlussendlich verlorene Marge, unfaire Preise für den Kunden. Und genau hier setzen wir an von Wochen praktisch auf Minutenebene.

Herbert Jansky [00:20:22]:
Das ist meine persönliche Frage. Ich meine, du bist seit Ewigkeiten in der Branche, hättest nach dem Studium vermutlich überall in der Versicherungsbranche etwas gefunden mit einer Anstellung als Führungskraft vielleicht Ziellevel. Was hat dich dazu bewogen zu einem

Salvatore Scuderi [00:20:39]:
Startup zu gehen, die Möglichkeit zu sehen, einerseits wie meine Arbeit die Branche tatsächlich verändert, also operationell. Wissenschaft ist ja Forschung, Industrie ist eben die lebendige Reaktion von Menschen und die Bestätigung, dass Ideen hoffentlich auch funktionieren. Und zwischen einem Startup und Konzern war die Wahl, ist die Wahl für mich eigentlich offensichtlich. Bei uns baut das Team in wenigen Tagen ein MVP, also Minimum Value Product bzw. Minimum Lovable Produkt, testet es mit dem Kunden und bekommt sofort Feedback im Konzern. Kannst du das einfach irgendwie vergessen. Es dauert allein die Entscheidung überhaupt anzufangen Monaten, wenn nicht noch länger kennen, glaube

Herbert Jansky [00:21:43]:
ich, viele das Startup noch nicht. KG, Du sagtest ist aber sogar börsennotiert. Also ihr habt ja echt was Großes vor, wenn du es in drei Sätzen beschreibst. Was ist KG und welches Kernproblem löst ihr?

Salvatore Scuderi [00:21:59]:
Ja, das ist natürlich herausfordernde Frage, Aber kurz. Wir verwandeln ungenutzte Daten in konkrete Insights, also verborgene Muster zum Beispiel, die man in klassischen Reports nicht unbedingt sieht. Diese Insights führen zu rechtzeitigen Entscheidungen als dritter. Damit schließen wir natürlich die Lücke zwischen Marktgeschwindigkeit und Entscheidungsgeschwindigkeit und schaffen natürlich dann die Grundlage für faire Preise und profitables Wachstum am Ende des Tages.

Herbert Jansky [00:22:54]:
Verstanden? Wenn ich aber, wenn ich ehrlich bin und dir zuhöre, das höre ich aktuell von vielen Unternehmen, die im Bereich Agentic und KI unterwegs sind, also recht deckungsgleich. Was macht ihr grundlegend anders als die anderen? Also was ist euer USP?

Salvatore Scuderi [00:23:16]:
Also einer unserer USP ist ganz klar die Assekuranz. Wissen, was wir in der Firma haben, aber der USP ist sicher der Wechsel vom Rückspiegel zum Fernlicht, wenn ich mal so sagen darf. Klassische Ansätze schauen auf die historischen Daten des letzten Jahres, zum Beispiel, um die Preise von morgen zu kalkulieren. Wir decken stattdessen verborgene Muster in den Daten und reagieren in Echtzeit real time auf die Marktentwicklung. Und die Markttrends. Wenn der Wettbewerber die Bewegung sieht, haben teilweise unsere Kunden bereits entschieden.

Herbert Jansky [00:24:05]:
Verstanden? Und wie macht ihr das? Nimm uns mal mit unter die Motorhaube oder mach mal die Motorhaube für uns auf. Was ist die Lösung?

Salvatore Scuderi [00:24:13]:
Ich bin zwar ein schlechter Automechaniker, ich würde mir das nicht zutun, eine Motorhaube aufzumachen. Aber stell dir Ein Versicherer hat einen Orchestrator. Orchestrator. Ein Orchester hat ein Orchester. Aber jeder Musiker in diesem Orchester spielt seine eigene Partitur in seinem eigenen Tempo, in einem separaten Raum und niemand hört den anderen. Die anderen, also Daten, Underwriting, Pricing, Claims, Reporting, alles arbeitet irgendwie gut, aber isoliert. Wir bringen den Dirigenten, Wir bringen den Dirigenten, den Orchestrator und ein Team spezialisierter Agenten, also Musiker, die einander hören. Daten werden bereinigt, mit externen Quellen unter anderem angereichert, die verborgenen Muster aufgedeckt, Preisempfehlung mit Begründungen erstellt, Reports aktualisiert alles als eine gemeinsame Partitur und in Echtzeit.

Herbert Jansky [00:25:31]:
Das heißt, ihr bringt Dirigent und Orchester, man stellt nur noch den Festsaal. Jetzt verstehe ich, was ihr macht, was der Ansatz ist. Klingt gut. Gut ist es aber erst dann, wenn es auch wirklich Mehrwert schafft. Gibt es schon Kunden, die einen Aha Effekt haben, die den Mehrwert schon spüren?

Salvatore Scuderi [00:25:51]:
Ja, der große Aha Moment ist immer wieder schön auch zu sehen, kommt meistens beim ersten Live Demo. Ein Pricing Report entsteht in Minuten statt in zwei Monaten, was ja nicht die Ausnahme ist bei vielen. Eine und Upwriting Empfehlung liegt innerhalb von Minuten auf dem Tisch, statt nach stundenlanger, vielleicht auch tagelanger Dokumentenarbeit. In diesem Moment begreift der Kunde nicht nur, dass unsere Lösung funktioniert, er sieht anders seine eigenen Prozesse aussehen könnten.

Herbert Jansky [00:26:36]:
Okay, jetzt wäre noch mal konkreter. Also was ist so ein konkretes Ergebnis oder konkreter Use Case, den ihr beim Kunden gemacht habt? Und was sind die konkreten Erfolge? Also mehr Umsatz, weniger Kosten und so konkret wie möglich. Ich weiß, es ist immer schwer, über Kunden zu sprechen, aber wir sind unter uns. Salvatore, du kannst ruhig die Namen nennen.

Salvatore Scuderi [00:27:04]:
Also grundsätzlich sind wir unter NDA verpflichtet, natürlich die Namen nicht zu nennen.

Herbert Jansky [00:27:11]:
Ich weiß, sorry, ein Versuch, was wert

Salvatore Scuderi [00:27:14]:
oder aber was ich immer wieder Also vor allem will ich da zwei Projekte, laufende Projekte erwähnen. Die schönsten Zahlen und Ergebnisse sehen wir bei kleineren, mittleren Unternehmen. Dort wirkt sich eine sichtbare Veränderung und sie sind einfach schneller unterwegs. Ein Kunde zum Beispiel hat innerhalb eines Jahres seine Loss Ratio von über 106 auf 60 Prozent gesenkt und das Ganze ohne Marktanteil zu verlieren, das ist sicher schon ein Riesenerfolg. Während ein anderer Kunde konnte seinen Vertriebsplan um über 200 Prozent übertreffen und zwar ohne, dass sich die Loss Ratio verschlechtert hat. Bei großen Versichern sind die prozentualen Effekte naturgemäß etwas kleiner, aber wir reden dort ja über ganz andere absolut Volumina und der wirtschaftliche Hebel ist dort sicher deutlich größer. Und mein persönlicher Favorit bei diesem Konten hat aber gar nichts mit Zahlen zu tun. Und das findet oft statt bei vielen.

Salvatore Scuderi [00:28:48]:
Der Head of Actuary eines europäischen Versicherers konnte zum ersten Mal nach der Einführung seit jahren wieder um 17 Uhr nach Hause gehen, statt wie er üblicherweise nicht vor 20 Uhr zu Hause war. Für mich ist das genau der eigentliche Beweis, dass KI nicht nur den Unternehmen nützt, sondern schlussendlich auch uns Menschen.

Herbert Jansky [00:29:23]:
Wahnsinn. Okay. Ich meine die Beispiele, die du genannt hast, mit der Vertriebssteigerung, aber auch mit der Senkung der Loss Ratio, das sind ja gravierende Prozentpunkte. Bei den größeren, sagtest du, ist es prozentual geringer, aber absolut vermutlich größer. Woran liegt das? Sind die größeren Partner von euch schon besser professionalisiert in ihren Prozessen und Umgang mit Daten? Oder warum ist der Hebel hier kleiner?

Salvatore Scuderi [00:29:57]:
Prozentual natürlich kleiner, aber aufgrund der Prämien, die da zur Verfügung steht, ist natürlich der Leverage viel, viel größer.

Herbert Jansky [00:30:07]:
OK, jetzt hast du berichtet von mehreren Partnern. Wenn man mit euch Partner ist, so kenne ich es aus der Vergangenheit und Praxis, die Integration oft pain. Wie stark muss man eure Lösung integrieren? Wie aufwendig ist das, damit man erste Erfolge hat?

Salvatore Scuderi [00:30:24]:
Ich liebe diese Frage.

Herbert Jansky [00:30:28]:
Ich hoffe auch du liebst die anderen Fragen.

Salvatore Scuderi [00:30:33]:
Die Frage, die dann regelmäßig bei Kunden auftaucht, Ich hatte jetzt eine kleine Anekdote mit einem CEO, hatte ich ein Gespräch, der Weißt du, wie muss ich das integrieren? Und ich muss doch, bevor du diese Gedanken machst, jetzt schau mal einfach. Also man schränkt sich schon wieder ein in den Gedanken, wenn man in die Integration denkt. Nein, wir wissen natürlich, die IT Landschaft eines Versicherers ist in der Regel sehr, sehr komplex, Legacy History und so weiter. Und genau das respektieren wir auch. Wir setzen keine Kernsysteme, wir ersetzen keine Kernsysteme, also Guideliers und wie sie alle heißen und was der Kunde auch immer hat, das bleibt bestehen. Also wir docken über moderne APIs alternativ an eine Daten Bankreplik und legen uns dann diese intelligente Schicht darüber. Also wir arbeiten mit den Daten im Fluss und geben die Ergebnisse zurück in dieselben Systeme. Also ob das in der Cloud ist, On premise, das ist ganz nach Wahl unserer Kunden.

Salvatore Scuderi [00:31:58]:
Wir können relativ einfach integrieren die ersten Insights. Vor allem auch sieht der Kunde innerhalb von Wochen und nicht nach Monaten oder Jahren langen IT Transformation. Also da gibt es keine Gründe hier zuzuwarten. Wir können morgen beginnen, wenn ich es

Herbert Jansky [00:32:23]:
jetzt richtig verstanden hab. Seid ihr aber nicht one side fits all. Ihr habt eine Lösung und die bietet sie an. Ich komme wieder aufs Orchester zurück. Also je nachdem, was der Kunde oder man selbst halt braucht, bringt entweder fahrt ihr das große Orchester auf die Wiener Philharmoniker oder ihr bringt eine Kammermusik mit und kommt nur mit 5, 6 Musikern. Ist das korrekt?

Salvatore Scuderi [00:32:48]:
Ganz genau. Wenn es darum geht, ich sage jetzt mal Data Enrichment oder Data Cleansing, dann gibt es das Data Cleansing Modell.

Herbert Jansky [00:32:57]:
Okay, das heißt, das ist letztendlich euer Aufsatz für Agentic, auch wenn wir einen Ausblick anschauen. Also es ändert sich so viel in, ich habe in der Einleitung gesagt Sekunden, aber es ist schon so, dass sich echt in Tagen und Wochen enorm viel verändert. Also Agentic ist inzwischen Commodity und das war vor zwei Jahren noch gänzlich unbekannt. Also ist schon sehr rasant. Wenn ihr jetzt auf eure Pipeline schaut, habt ihr noch weitere Produkte im Angebot.

Salvatore Scuderi [00:33:38]:
Ja, und die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Unsere Plattform besteht aus einer Reihe von Low Level Agenten plus den Orchestrator, die Agenten ETL beispielsweise Data Cleansing, Data Enrichment und vor allem auch Talk to Data Reporting, Decision Making und so weiter. Jeder macht seine Aufgabe aber wirklich richtig gut und der Orchestrator, der Dirigent, wie ich vorhin gesagt habe, zerlegt die Aufgabe und baut daraus die passende Pipeline Gerade gehen wir einen Schritt weiter. Jetzt erzähle ich etwas aus der Nähkiste und bauen fertige Pipelines für einzelne Fachbereiche mit der ganzen Spezifika, die dazugehört. Da möchte ich den Underwriting Agent, Actuary Agent, Claims Management Agent erwähnen. Das sind also keine separaten Produkte, das sind dieselben Bausteine, nur eben für eine bestimmte Rolle zusammengesetzt. Perspektivisch wollen wir damit alle zentralen Funktionen in der Versicherung abdecken, damit der Kunde nichts mehr konfigurieren muss bzw. Fertigen muss.

Salvatore Scuderi [00:35:07]:
Zum Beispiel Underwriting Agent nehmen, einschalten, läuft.

Herbert Jansky [00:35:12]:
Das hat ja eine gewisse Sichtweise auf die Versicherungsbranche, wie die sich weiterentwickeln wird. Wo glaubst du, steht die Versicherungsbranche in fünf Jahren?

Salvatore Scuderi [00:35:21]:
Ja, fünf Jahre. Ich würde mal das in Frage stellen, ob es nicht schneller ist, wenn ich jetzt die Entwicklung anschaue von den letzten Jahren, Monaten. Also gehen wir mal davon aus, in fünf Jahren wird KI tief in alle Prozesse eines Versicherers eingebettet sein. Also vom ersten Kundenkontakt bis zur Schadenauszahlung. Das wird vor allem auch kein Innovationsthema mehr sein, sondern einfach die Art, wie die Branche schlussendlich arbeitet. Ich möchte aber ganz klar erwä Das heißt nicht, dass Menschen ersetzt werden, die Routine übernehmen, Agenten, Dokumentenbearbeitung, Abgleiche, Standardberechnungen, Reports etc. Ich habe noch vor Ihnen. Ich möchte hier noch Ethos ergänzen.

Salvatore Scuderi [00:36:27]:
Alle unsere Agenten kann man nachvollziehen, was gemacht wurde. Man sieht den Python Code, man sieht, was gerechnet worden ist und es gibt Empfehlungen. Diese Blackbox wird zu einer Whitebox.

Herbert Jansky [00:36:43]:
Das ist natürlich für die Regulatorik super Genau.

Salvatore Scuderi [00:36:50]:
Und das, wofür wir Menschen wirklich schätzen, sind natürlich letztendlich diese strategischen Entscheidungen und hoffentlich kreative Produkte, komplexe Verhandlungen, Sonderfädler bleiben aber nach wie vor beim Menschen. Also ich denke auch, wer diesen Weg nicht geht, verliert schlicht ganz klar Geschwindigkeit und letztendlich sicher auch Marktanteile zu verlieren.

Herbert Jansky [00:37:22]:
Lieber Salvatore, wir kommen langsam zum Ende unseres Podcast. Am Schluss haben wir immer noch die famous last words. Das heißt, du kannst kurz und knackig Was willst du den Zuhörern mitgeben, die gegebenenfalls jetzt erst später reingekommen sind?

Salvatore Scuderi [00:37:35]:
Ich würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere bei mir meldet. Ihr erreicht mich unter salvatore scuderi in LinkedIn oder ganz einfach besucht unsere Webseite. Die Webseite heißt KG AI.

Herbert Jansky [00:37:51]:
Wunderbar, dann sind das deine letzten Worte für heute. Es hat mir richtig Spaß gemacht mit dir. Danke, dass du uns die Insights gegeben hast bezüglich deines PhDs. Echt interessant, dass du das noch gemacht hast. Super spannendes Themenfeld und viel Erfolg für die Zukunft. Wir bleiben im Austausch und bin gespannt, wie ihr euch entwickelt. Danke Salvatore und Kettog.