Insurance Monday: Digitalisierung & Versicherung

Migration in der Versicherungswelt: Best Practices, Stolperfallen und Tipps aus dem Maschinenraum

Insurance Monday / PPI Episode 150

In dieser Folge dreht sich alles um das oder vielleicht ungeliebte Herzensthema der Datenmigration in der Versicherungswelt. Mit Tanja Kick und Craig Entweile begrüßen wir dazu zwei echte Expert:innen aus dem Consulting von PPI, die täglich im Maschinenraum von Migrationsprojekten unterwegs sind. Sie sprechen über typische Stolperfallen, Klischees und warum waschechte Migrationsprofis sowohl planen als auch improvisieren können müssen.

Mit ihrem neuesten Whitepaper im Gepäck geben sie tiefe Einblicke in Best Practices, Strategien und echte Aha-Momente aus ihren Projekten – von der Auswahl just so vieler Daten wie unbedingt nötig bis hin zu charmanten Praxistipps für das Mapping und new-age Testmethoden. Ob Komposit- oder Lebensmigration, die Folge räumt Mythen aus dem Weg, zeigt, worauf es wirklich ankommt und blickt in die nahe Zukunft der Migration zwischen uniformen Systemlandschaften, Automatisierung und KI.

Wer also gerade eine Migration plant, ins Zielsystem umziehen möchte oder einfach hören will, wie auch zwischen Karneval, Veggie Bowls und automatisierten Tests Projekte zum Erfolg werden, ist hier genau richtig!

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PPI – Inspired by Simplicity. PPI verbindet Fach- und Technologie-Know-how, um komplexe Finanzprojekte in der Versicherungs- und Bankenwelt unkompliziert umzusetzen. Mit über 800 Expert:innen, europaweit führenden Lösungen im Zahlungsverkehr und der Vision „From Paper to Pixels“ begleitet PPI ihre Kunden erfolgreich in die digitale Zukunft.

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Alex Bernhardt [00:00:00]:
Hallo und herzlich willkommen zum Insurance Monday Podcast. Kleingedrucktes aus der Finanz und Versicherungswelt, dein Podcast mit spannenden Insights und exklusiven Gästen aus der traditionellen und digitalen Finanzwelt.

Tanja Kick [00:00:27]:
Hallo und herzlich willkommen zum Insurance Monday Podcast. Heute sprechen wir über ein Thema, das bei vielen Projekten ehrlich gesagt ein bisschen wie der ungeliebte Teil beim Umzug ist. Alle freuen sich auf die neue Wohnung, aber irgendwann müssen auch die Kisten gepackt und rübergetragen und ausgepackt werden. In der Versicherungswelt heißt Wir reden über Datenmigration, also den Moment, wo aus einer PowerPoint Transformation echte Bestände, echte Verträge, echte Kund innen werden. Und gerade jetzt werden ja überall Host Systeme abgelöst, neue Kernsysteme eingeführt, Cloud und as a Service Modelle ausgerollt und dann kommt irgendwann oft relativ spät die Moment, stimmt, die Daten müssen ja auch noch mit. Und genau darüber sprechen wir heute und zwar nicht trocken, sondern mit Blick auf Praxis, Pannen, Erfolge und Best Practices. Und als Aufhänger haben wir das neue Whitepaper von PPI zur Datenmigration in Versicherung. Das dekliniert das Thema einmal komplett durch von der Strategie bis zur Endabnahme.

Tanja Kick [00:01:31]:
Und ich habe zwei Menschen eingeladen, die das seit Jahren im Maschinenraum miterleben und vorantreiben, nämlich Tanja Kick, sie ist Senior Consultant und Craig Entweiler, er ist Manager, beide aus dem Bereich Consulting Versicherungen von PPI und dort die Gesichter für das Thema Migration. Schön, dass ihr da seid. Bevor wir jetzt in das ganze Fachliche einsteigen, damit unsere Hörer und Hörerinnen euch ein bisschen besser einordnen können, wollt ihr euch vielleicht einmal kurz vorschlagen, Tanja, vielleicht fängst du an. Wer bist du? Was machst du bei PPI und was ist denn in einem Migrationsprojekt deine Lieblingsphase?

Craig Entweiler [00:02:09]:
Sehr gerne. Ich bin Tanja Kick, ich habe Versicherungswesen im Bachelor und Master studiert in Köln. Ich bin inzwischen seit acht Jahren bei PPI. Und davon begleite ich jetzt fast seit 6 Jahren fast ausschließlich Migrationsprojekte. So eine Lieblingsphase an sich habe ich eigentlich gar nicht. Es ist eher die Orchestrierung der Beteiligten, die für mich sehr spannend ist, da es halt einfach sehr viele Schnittstellen gibt und das zwischenmenschliche Miteinander für mich immer sehr interessant ist cool.

Tanja Kick [00:02:40]:
Und Craig, wie sieht es bei dir aus? Wo bist du unterwegs und wo schlägt dein Herz höher? Bei welchem Projektschritt?

Alex Bernhardt [00:02:48]:
Hallo auch nochmal von mir. Bei mir sieht es ähnlich aus wie bei Tanja. Ich habe allerdings Mathematik studiert, bin aber ebenfalls seit acht Jahren bei PPI. Und habe in der Zeit jetzt schon verschiedenste, zahlreiche Migrationsprojekte begleitet, unter anderem auch so ein übergeordnetes Koordinationsprogramm von wirklich zig parallelen Migration unterstützt.

Alex Bernhardt [00:03:15]:
Meine Lieblingsphase ist wahrscheinlich auch der Mathematik geschuldet, das ist die Datenanalyse. Ich finde das so schön, das ist wirklich wie im Maschinenraum. Bei der Datenanalyse wird gemeinsam sichtbar, wie lebendig die Datengrundlage des Kunden, des Versicherers ist. Gemeinsam mit dem Fachbereich erkennt man dann schnell auch mögliche Hürden und und ist einfach super spannend.

Tanja Kick [00:03:40]:
Ja cool. Dann wollen unsere Hörerinnen und Hörer euch ja auch noch etwas persönlicher kennenlernen und dafür haben wir immer die schnellen 5 auch zum Warmwerden.

Tanja Kick [00:03:53]:
Los geht's. Ich würde sagen, immer zuerst Tanja, dann Craig, damit ihr nicht lange nachdenken müsst und könnt. Fangen wir an. Karneval oder Oktoberfest?

Craig Entweiler [00:04:04]:
Ja, ich bin zwar im Kölner Umland groß geworden und habe sehr viel Karneval gefeiert, aber heute würde ich dann doch sagen, ich bevorzuge die Berliner Clubszene.

Alex Bernhardt [00:04:14]:
Craig als kölsche Jung natürlich Kölle Alaaf. Ich nehme den Kölner Straßenkarneval.

Tanja Kick [00:04:21]:
Natürlich Straßenkarneval, nicht Sitzungskarneval, das kommt dann später noch vielleicht. Wie ist der perfekte Sonntag? Zeitung am Frühstückstisch oder News App auf dem Handy?

Craig Entweiler [00:04:33]:
Tatsächlich ganz oldschool Radio und Kaffee im Bett.

Tanja Kick [00:04:37]:
Welcher Sender?

Craig Entweiler [00:04:38]:
In der Regel Deutschlandfunk.

Alex Bernhardt [00:04:41]:
Craig Und für mich wäre es mit Freunden am Frühstückstisch das perfekte Gericht.

Tanja Kick [00:04:49]:
Veggie Bowl oder Ribeye Steak Medium rare, Sowohl als auch.

Alex Bernhardt [00:04:56]:
Ohne die Zutaten jetzt zu kennen, würde ich lieber das Steak nehmen.

Tanja Kick [00:05:02]:
Energie tanke ich beim Wandern in den Bergen oder beim Spazieren an der Küste?

Craig Entweiler [00:05:08]:
Spazieren an der Küste.

Alex Bernhardt [00:05:11]:
Wandern an den Klippen der Migration, also in den Bergen.

Tanja Kick [00:05:17]:
Und was seid ihr vom Typ her Eher alles durchgeplant oder eher Improvisationskünstler?

Craig Entweiler [00:05:23]:
Ganz klar. Pläne improvisieren in der Beratung wirklich unabdingbar.

Tanja Kick [00:05:30]:
Also improvisieren und es sieht geplant aus, ne?

Craig Entweiler [00:05:33]:
Erst planen, aber die Pläne müssen eigentlich fast immer improvisiert werden. Aber wenn es nach mir ging, ich würde lieber sehr viel mehr planen, aber das geht halt einfach in der Realität selten.

Alex Bernhardt [00:05:46]:
Und Craig Ja, ich nehme den Improvisationskünstler, aber ihr habt es ja schon gesagt, beides ist wertvoll und wenn man beides hat, wird vieles schöner.

Tanja Kick [00:05:57]:
Ja, cool, dann lasst uns doch mal in das Fachliche einsteigen. Ganz improvisierend und teil geplant, wenn ihr in ein neues Projekt kommt. Und woran merkt ihr denn eigentlich, dass ein Thema, dass das Thema Migration gerade so richtig wirklich brennt und kein Randthema ist?

Alex Bernhardt [00:06:16]:
Also ganz banal merkt man es, wenn man als Migrationsbegleitung drei Monate vor geplantem Go Live erst angefragt wird.

Tanja Kick [00:06:25]:
Okay. Ja, das ist so wie drei Tage vor dem Umzug beauftragt mit dem Umzug.

Alex Bernhardt [00:06:32]:
Genau. Nur dass der Umzug maximal komplex ist. Genau. Und mit dieser Analogie ist man auch schon beim zweiten Grund. Also häufig ohne Vorerfahrung mit Datenmigration stellen sich eben viele beim Kunden die Migration wie so ein Handytausch zu Hause vor. Die erwarten irgendwie so ruckelfreie, sekundenschnelle Übertragung von ihren ganzen Bildern und dem Adressbuch. Und diese Erwartungen, die müssen wir ganz schnell gemeinsam mit den relevanten beteiligten Stakeholdern korrigieren. Andererseits kann sie aber auch natürlich weiterhin als Vision dienen.

Alex Bernhardt [00:07:11]:
Das ist auch wichtig. Also man muss die Erwartungen ernst nehmen, korrigieren, gemeinsam sprechen und schon bei der Datenanalyse sehen dann auch viele, welche Aufgaben da auf einen zukommen.

Craig Entweiler [00:07:27]:
Genau. Also Kunden, wir hören oftmals von Kunden ja, wir haben schon mal versucht selber was zu migrieren, aber und das ist ja auch ein durchaus berechtigter Ansatz, die Kunden möchten natürlich Geld sparen und nicht sofort externe Berater innen dazu holen und versuchen es dann erstmal selber, aber stellen dann schnell fest, eben schon gesagt hat, es ist dann doch nicht so leicht wieder Handytausch.

Tanja Kick [00:07:50]:
Das glaube ich ja.

Tanja Kick [00:07:55]:
Das Thema Migration ist ja im Moment wirklich in aller Munde. Was sind aus eurer Sicht die zwei, drei wichtigsten Gründe dafür und jetzt nicht nur KI? Bitte, weil alle reden über KI.

Craig Entweiler [00:08:08]:
Tatsächlich ist KI meiner Meinung nach gar nicht so ein Riesentreiber für Datenmigration. Also der größte Treiber ist aus meiner Sicht tatsächlich das Thema Host Ablösung oder generell die Ablösung von Legacy Systemen, aber auch das ganze Thema Konsolidierung, Mergers and Acquisitions, Fusion sind erfahrungsgemäß in den letzten Jahren so die großen Themen gewesen und werden es wahrscheinlich auch noch in der Zukunft.

Tanja Kick [00:08:32]:
Was ist denn aus eurer Sicht so der größte Irrtum, dem ihr in Häusern immer wieder begegnet, wenn es um das Thema Migration geht?

Alex Bernhardt [00:08:43]:
Also eben habe ich es schon angedeutet, ich würde sagen, hauptsächlich eben diese leicht falsche Erwartungshaltung, das einfach heiß Wir ziehen einfach alle Daten rüber. Und das entspricht eben überhaupt nicht der Tatsache, die man ganz schnell erreicht. Ganz komplexe Zuordnungsregeln, Mappings, die ganzen Umsystemlandschaften, die häufig abgeglichen synchronisiert werden müssen, aber auch Regulatorik Tests, Ende zu Ende Tests, fachliche Abnahmen, all das kommt ganz schnell ins Spiel und wird häufig unterschätzt. Zu häufig wird Migration erst sehr spät mitgedacht. Das würde ich sagen, ist einer der häufigsten Irrtümer.

Tanja Kick [00:09:35]:
Und vielleicht darauf aufsetzend, Es ist ja jetzt oft so.

Tanja Kick [00:09:41]:
Dass nach meiner Erfahrung, dass die Leute schon eine Migrationserfahrung haben, aber haben sie vielleicht ein Leben und dann gibt es eine Kompositmigration oder sie haben sie ein Komposit und dann gibt es eine Lebenmigration? Wenn ihr jemandem in einer Kaffeeküche erklären müsstet Lebenmigration versus Kompositmigration? Was ist ähnlich, was ist unterschiedlich? Wie würdet ihr das denn mit einem Bild oder Beispiel beschreiben?

Craig Entweiler [00:10:04]:
Also ich finde, das kann man immer ganz gut mit dem nüchternen und betrunkenen Blick in den Spiegel beschreiben. OK, also bei der Lebenmigration sieht man am Ende nach der Migration eigentlich das, was auch vorher da war. Man muss die Alttarife nachbauen, man muss die Logik nachbauen. Also da ist alles so mehr oder weniger an der gleichen Stelle, wie man das erwartet. Bei der Kompositmigration, da guckt man halt so betrunken in den Spiegel und man sieht dann nachher schon irgendwie, man erkennt den Bestand, man weiß, wo ungefähr was sein soll, aber vielleicht sitzt das eine Auge nicht an der richtigen Stelle, hat vielleicht den einen oder anderen Tarif zusammengefasst, man sieht nicht jedes Detail. Genau deswegen ist das, glaube ich, ein schönes Bild, was man da anführen kann.

Tanja Kick [00:10:51]:
Also unschärfer, weil man es pragmatischer machen kann.

Craig Entweiler [00:10:53]:
Genau, richtig. Aber nichtsdestotrotz, die Inhalte müssen natürlich trotzdem stimmen. Der Kunde darf nicht schlechter gestellt sein. Also das ist sehr, sehr überspitzt dargestellt.

Alex Bernhardt [00:11:05]:
Ich wollte gerade ergänzend Die Sektkorken knallen in der Kompositmigration auch erst bei erfolgreicher Migration.

Craig Entweiler [00:11:13]:
Definitiv definitiv.

Tanja Kick [00:11:15]:
Wann ist eine Migration eigentlich wirklich vorbei?

Alex Bernhardt [00:11:18]:
Das ist eine sehr gute Frage. Das würde eigentlich aus meiner Sicht sofort zur Frage überleiten, welche Migrationsstrategie verfolgt man? Also verfolgt man Big Bang, alles in Anführungszeichen auf einmal versus eine gestaffelte Migration in Iteration nennt man auch Phasenmigration, Chicken little. Da gibt es zig Begriffe für eben in mehreren Schritten. Und dann würde das bedeuten, dass die Migration natürlich einerseits je Iteration beendet sein kann, wenn man die ganzen fachlichen Abnahmen hat, grüne Ampeln in seinem KPI Dashboard.

Alex Bernhardt [00:12:03]:
Und andererseits erst, wenn die letzte Tranche eben erfolgreich migriert ist.

Alex Bernhardt [00:12:09]:
Wenn man es.

Craig Entweiler [00:12:10]:
Ganz runterbrechen möchte, wenn das Quellsystem so leer ist, wie man es haben möchte.

Tanja Kick [00:12:14]:
Okay, ja, also eigentlich schon die Analogie zum Umzug. Wenn das drüben ist, was man drüben haben möchte, dann ist gut.

Craig Entweiler [00:12:24]:
So kann man es sehen.

Tanja Kick [00:12:28]:
Und wenn wir jetzt auf Leben versus Composite gucken, von den Approaches her, welche Entscheidungen bezüglich Vorgehen sehen denn in Leben anders aus als in Composite?

Craig Entweiler [00:12:41]:
Also im Leben muss man wirklich, ich habe es eben schon angedeutet, die Zielsysteme, die Zieltarife sehr viel detaillierter und im Detail nachbauen. Und im Bereich Composite kann man durchaus pragmatischere Wege gehen. Man kann Vertriebsaktionen starten, die Kunden dazu bewegen, auf den aktuellen Tarif umzustellen, dass man weniger Tarifvielfalt in einem Quellsystem hat.

Craig Entweiler [00:13:05]:
Da hat man auch noch das Werkzeug der Besitzstandswahrung, dass man okay, die Kunden werden nicht schlechter gestellt, auch wenn wir auf den neuen Tarif umstellen. Da gibt es sehr viele Werkzeuge, die man nutzen kann. Und bei Leben funktioniert das eben nicht, weil man einfach sehr viel mehr Regulatorik auch zu beachten hat und die Produkte einfach eine ganz andere Charakteristik haben als Komposit.

Tanja Kick [00:13:29]:
Habt ihr denn auch ein Beispiel aus der Praxis, wo jemand gesagt hat, vielleicht Komposit Erfahrung hatte und gesagt hat, wir machen das so und so und dann auf die Erfordernisse der größeren Genauigkeit in Leben stieß oder vielleicht auch umgekehrt, wir machen das ganz exakt wie ein Leben und dann hoppla, ich kann doch deutlich pragmatischer und damit ja auch irgendwo günstiger unterwegs sein.

Craig Entweiler [00:13:53]:
Ja, also im Leben merkt man eigentlich relativ schnell, das funktioniert nicht so wie Komposit. Da können wir die Werkzeuge nicht anwenden oder die Maßnahmen nicht durchführen. Und insbesondere die Versicherungsmathematik steht da sehr, sehr schnell. Auf der Matte, wenn man auch nur.

Tanja Kick [00:14:08]:
Portfoliooptimierung denkt, der verantwortliche Aktuar.

Craig Entweiler [00:14:12]:
Genau, richtig. Also die sind da gar kein großer Fan von, berechtigterweise Natürlich im Bereich Composite, da trifft man schon manchmal auch Kunden, die sagen, wir möchten das so leben, wir bauen einfach die alte Welt nach. Aber das ist natürlich enorm zeitaufwendig und da könnten wir sehr viel effizienter durchgehen.

Tanja Kick [00:14:32]:
Das führt mich auch noch mal so ein bisschen zu dem Thema, du hattest ja schon eben gesagt, gegebenenfalls Tarife aufeinander abbilden. In euren White Paper sagt ja auch, vom Zielsystem her soll man denken, nicht vom Quellsystem her. Was bedeutet das denn? Und wie erklärt ihr das jemandem, der zum ersten Mal eine Migration macht?

Alex Bernhardt [00:14:54]:
Ja, wie erklärt man das vielleicht am einfachsten, dass diese Perspektive vom Zielsystem her das Ganze zu betrachten, schon eine Sparsamkeit mitliefert. Also was wird im Ziel wirklich benötigt? Und damit kommt man sofort auf so eine Faustregel aus der Datenmigration. Also so wenig wie möglich wollen wir migrieren und so viel wie nötig.

Alex Bernhardt [00:15:21]:
Und das liefert eben diese Perspektive vom Zielsystem her das Ganze zu bedenken. Zusätzlich ist das Zielsystem häufig moderner, standardisierter und deshalb auch allgemein der bessere Anker, um das Ganze zu planen, als sich die ganzen Sonderlocken, historische Datenstrukturbrüche und so weiter in den Fokus zu setzen.

Tanja Kick [00:15:49]:
Wenn ich nur so viel rüber nehme wie nötig, was mache ich dann eigentlich mit den Altdaten, sage ich mal. Also manchmal will ich ja irgendwie doch noch Historie bewahren und ich will ja das System nicht unbedingt dann für die Historie weiterlaufen lassen. Das wäre ja irgendwie defeats purpose, wird dann ganz viel archiviert. Legt man dann ganz viele Daten auf Vorrat mal in irgendwie einen Data Lake oder sowas oder ein Data Dump rein oder was macht man da? Also ich denke so gerade in der Lebensversicherung, wenn dann aus irgendeinem Grund Dispute aufkommen, man nochmal zeigen muss, dass im jahr, keine Ahnung, 1998 doch eine Vertragsänderung gemacht worden ist, weil der Kunde das so wollte, dann wäre das ja gut, wenn das irgendwie weiter bekannt ist sozusagen. Also vielleicht kommt es sowieso mit, aber.

Alex Bernhardt [00:16:46]:
Ja.

Alex Bernhardt [00:16:48]:
Ist sehr projektspezifisch das Vorgehen mit den Altdaten und da kommt sofort das.

Alex Bernhardt [00:16:57]:
Schlagwort Regulatorik mit rein. Wir haben natürlich einerseits Aufbewahrungspflichten und andererseits Löschpflichten. Diese Aspekte sind dann natürlich zu, wie nennt man es.

Alex Bernhardt [00:17:14]:
Zu berücksichtigen. Genau. Und Bei deinem Beispiel 1991, da wird wahrscheinlich häufig die erste Frage sein oder halt in einer Regel die if Schleife sein, ist der noch aktiv, der Vertrag, und wie lang ist er schon nicht mehr aktiv? Und das wird dann schon sehr schnell beantworten. Wie die Kunden mit Altdaten umgehen, ist echt wirklich sehr unterschiedlich. Hier und da wird auch das Altsystem in einer extrem sparsamen Variante noch weiter laufen gelassen. Andererseits gibt es natürlich Host Ablösen, wo das Ding dann ausgeschaltet werden soll. Da müssen natürlich andere Lösungen her, wie ein kleiner Historienviewer oder dergleichen. Vielleicht, Tanja, hast du noch Ergänzungen?

Craig Entweiler [00:18:00]:
Ja, genau, es gibt auch so Möglichkeiten quasi, das kann man sich so vorstellen wie Screenshots vom AL System zu machen und diese Screenshots zu archivieren in einer Form, die natürlich etwas besser ist als die Folderstruktur in dem Windows Explorer, wie wir es kennen. Das wäre noch was, was mir einfällt. Genau, Datenbanken werden gesichert und dann sind die Abfragen eben nur noch über Datenbanken möglich. Da gibt es wirklich sehr, sehr viele kreative Lösungen am Markt.

Tanja Kick [00:18:28]:
Und nochmal zurück zum Stichwort vom Zielsystem her denken, nicht von der Quelle. Was heißt das eigentlich auf der Mitarbeiterseite.

Craig Entweiler [00:18:36]:
Das bedeutet sehr viel Change Management, vor allem meiner Meinung nach, weil wenn man vom Zielsystem denkt, muss man natürlich davon ausgehen, dass die Menschen, die in der Migration mitarbeiten, das Zielsystem auch kennen, von dem Zielsystem überzeugt sind. Deswegen ist es wirklich sehr entscheidend, dass die Mitarbeitenden das Zielsystem kennen, ein gutes Gefühl haben. Das liegt zwar meist in der Verantwortung der Softwareentwicklungsprojekte, wenn es eben um eine Neuentwicklung geht oder halt bei den M A Verantwortlichen, aber es wird oftmals vergessen, dass eben alle abgehoben werden müssen Zum Thema Neue Software wird eingeführt, wir nutzen in Zukunft neue Software und deswegen sind wir da auch in den Migrationsprojekten immer sehr, sehr viel involviert, was das Change Management.

Craig Entweiler [00:19:24]:
Betrifft.

Tanja Kick [00:19:25]:
OK, vielleicht ein ganz kurzes Stichwort mal, jetzt wird es richtig technisch. Ein Wort, was immer wieder aufkommt, ist das Thema Mapping. Was sind denn da eure Gedanken zu?

Alex Bernhardt [00:19:39]:
Also Mapping ist ja erstmal nur der englische Begriff für eine Zuordnung.

Alex Bernhardt [00:19:46]:
Zuordnung, Zuordnungsregeln, Zuordnungsregelwerke Zuordnungsmatrizen sind extrem wichtige Objekte, könnte man sagen, in der Migration, denn wir haben Quellfelder, Quelltabellen, Quellstrukturen und Ziele dazu. Also ganz plump gesprochen, der Vorname aus dem Altsystem muss vermutlich irgendwie auf das Vornamenfeld im Zielsystem gemappt werden via Mapping. Ja, und da gibt es auf jeden Fall.

Alex Bernhardt [00:20:19]:
Viel Herausforderung, denn hier muss man bei diesen Zuordnungsregeln sofort Fachbereich und IT und das Zielsystem zusammendenken. Bei den Anforderungen fürs Zielsystem wird häufig die Migration vergessen, aber am Ende des Tages muss häufig eben das Tagesgeschäft natürlich irgendwie die relevanten Daten müssen migriert werden. Und bei den Mappings ist eine riesen Herausforderung auch die Begriffshygiene, die ist häufig innerhalb eines Unternehmens.

Alex Bernhardt [00:20:54]:
Sehr heterogen. Gewisse Strukturen innerhalb eines Unternehmens behandeln ein gewisses Freitextfeld, so andere organisieren darüber sogar Prozesssteuerung, andere wiederum machen dort nur interne Notizen. All das findet man meistens erst raus, wenn du wirklich so ein ganzheitliches Datenprofiling vornimmst. Genau, also ich würde bei Mapping Definition vor allem eben Begriffshygiene und Dezentralität innerhalb von Unternehmen als Herausforderung ansehen.

Tanja Kick [00:21:27]:
OK.

Tanja Kick [00:21:30]:
Gut, was relativ schnell nach einer großen Excel Tapete klingt.

Tanja Kick [00:21:37]:
Oder kriegt man das gut sozusagen visualisiert? Also wenn ich solche Feldermengen habe, die ich aufeinander abbilde, ja.

Tanja Kick [00:21:49]:
Das kann tatsächlich.

Craig Entweiler [00:21:50]:
Sehr, sehr schnell sehr trocken werden und man verliert schnell Mitarbeitende darüber. Auch deswegen ist es ganz, ganz wichtig oder das finde ich zumindest sehr wichtig, dass man einfach Altsystem und neue System nebeneinander aufmacht in den Fachworkshops, in den Mapping Workshops und einfach schaut, okay, hier ist unser Zielfeld, wo finde ich das denn im Altsystem? Und dass man die Mitarbeitenden möglichst wenig.

Craig Entweiler [00:22:15]:
In den Maschinenraum reinlässt sozusagen, also sehr wenig technisch wird, sondern wirklich guckt Anwendungsbeispiele, wie sieht ein Vertrag im Altsystem aus, wie sieht ein Vertrag im neuen System aus und wie kriegen wir die Daten darüber. Also das ist erfahrungsgemäß das Einfachste, aber um Excel Tabellen kommt man tatsächlich nicht rum, weil man muss sich die Quelldaten angucken und schauen, wie divers sind die Ausprägungen, welche Ausprägungen wollen wir im Zielsystem haben. Und das ist auch so ein bisschen die Herausforderung beim Mapping, wirklich die Mitarbeitenden da heranzuführen, migrationsspezifisch zu denken. Und da ist sehr viel begleitetes Arbeiten notwendig und sehr viel Vorbereitung auch natürlich von uns als Migrationsexpert innen.

Tanja Kick [00:23:01]:
Wenn ihr jetzt sozusagen auf die einsame Migrationsinsel, das eine, euer Lieblingstool mitnehmen würdet, was wäre das denn für eins und warum genau das?

Alex Bernhardt [00:23:15]:
Ich würde ganz Anbieter agnostisch formulieren. Also der Hersteller ist egal. Ein Tool mit sehr transparenter Mapping Dokumentation und schneller Reconciliation Möglichkeiten. Also was heißt das genau? Mit einem sehr guten Mapping Tool lassen sich ganz schnell 80 Prozent der Diskussionen versachlichen. Du hast einfach die Daten dazu, du kannst dich zusammen mit jemandem einschließen und dazu Lösungen Mapping besprechen. Und mit einem guten Reconciliation Tool erkennt man die Fehler eben so früh.

Alex Bernhardt [00:23:55]:
Bevor sie teuer werden. Und vieles andere kann man improvisieren. Es gibt wirklich eine Vielfalt an Tools auf dem Markt, aber das Allerwichtigste, worauf man achten sollte, ist Transparenz in Mappings und Reconciliations. Ein weiterer Vorteil wäre noch, wenn sie fachbereichsfreundlich gestaltet sind. Also no Code Low Code ist da auch ein Stichwort.

Craig Entweiler [00:24:24]:
Ich würde mich tatsächlich auch noch zusätzlich für die Automatisierungsfähigkeit des Tools entscheiden, weil wir machen in Migrationsprojekten wirklich hunderte Migrationsdurchläufe und je manueller man eine Migration durchführen muss, also je mehr Menschen eingreifen müssen, desto mehr Ressourcen sind natürlich gebunden. Und wir kennen es alle aus der Branche, egal welches Projekt, Ressourcen sind knapp, Menschen sind knapp.

Craig Entweiler [00:24:49]:
Automatisierung ist für uns immer das höchste Ziel. Am liebsten einmal auf den Knopf drücken, alles andere passiert automatisch. Automatisch klappt leider meistens nicht, aber je automatisierter, desto besser.

Tanja Kick [00:25:01]:
Ihr sprecht ja auch oft von einem Migrationshandbuch als Drehbuch. Das klingt ja auch so, da klingt ja auch dieser Gedanke der, sage ich mal, automatischen oder sehr systematische Migration an. Was ist denn da drin und was wäre euch lieber, das Buch oder ein Entwickler mehr?

Craig Entweiler [00:25:20]:
Also ich würde, glaube ich, das Drehbuch bevorzugen. Also es ist wirklich ein Drehbuch. Man muss Migration wie wirklich so ein orchestriertes Stück vorstellen. Sind einfach super viele Menschen an so einer Migrationsdurchführung beteiligt. Es müssen Schnittstellen versorgt werden.

Craig Entweiler [00:25:39]:
Es müssen Schnittstellen in einer bestimmten Reihe vor allem.

Craig Entweiler [00:25:44]:
Befüllt werden und die Beteiligten müssen alle ganz genau wissen, wann sie was zu tun haben, weil wenn das nicht so läuft, ist es in der Migration relativ schwer und wenn sehr, sehr teuer, Fehler zu begradigen.

Craig Entweiler [00:26:01]:
Migrationsdrehbuch ist definitiv ein wichtiger Faktor. Ich weiß nicht, wie du das siehst, Craig, ob du lieber einen Entwickler haben möchtest oder auch eher das Migrationsdrehbuch bevorzugst.

Alex Bernhardt [00:26:13]:
Ich glaube, wir müssen auch noch sagen, wir freuen uns natürlich auch immer über ETL Entwickler im Migrationskontext, die braucht man auch. Aber du hast das schon absolut richtig gesagt. Das Drehbuch ist einfach wahnsinnig wertvoll, weil es nicht nur für eine beteiligte Person im Migrationskontext wichtig ist, sondern für zig Leute. Und eben wie bei so einem Theaterstück, wann kommt wer macht was, zu welchem Zweck, wie überprüfen wir es? Es geht um Vorhersehbarkeit, Wiederholbarkeit und Kontrolle eben. Und das bietet ein Drehbuch deutlich mehr als eine Person.

Tanja Kick [00:26:50]:
Und ich sag mal.

Tanja Kick [00:26:54]:
Das ist ja sozusagen ein Teil, um ready zu sein. Der andere Teil ist vermutlich dann ausgiebiges Testing, auch dieses Drehbuch selbst, um zu schauen, was funktioniert oder wie funktioniert es denn wirklich. Jetzt gibt es ja manchmal die Fälle, dass Tests sozusagen sehr, sehr früh mitgedacht werden werden, manchmal die Fälle, dass ein Test sozusagen erstmal ein bisschen fast stiefmütterlich behandelt wird. Wie ist denn da euer Blick drauf?

Craig Entweiler [00:27:26]:
Tests haben aus meiner Sicht in Migrationsprojekten eine sehr besondere Rolle, weil die Migration immer sehr, sehr iterativ sind. Wir müssen ja irgendwie den Quellbestand in Zielsystem bringen und der Quellbestand ist sehr, sehr heterogen erlebt. Das ist ein lebender Bestand, er verändert sich täglich. Und deswegen ist es sehr, sehr wichtig, erstmal im ersten Schritt, wenn wir die Migrationsregeln zum Beispiel spezifizieren, dass wir erstmal so versuchen, 80 Prozent abzudecken und uns dann im Detail runterhangeln. Das heißt, mit jeder Testmigration werden wir dann auch Fehler identifizieren können. Das heißt, diese Testmigrationen sind auch immer ein Indikator, wo wir noch nachjustieren müssen, wo wir noch nicht 100 Prozent des Quellbestandes abgedeckt haben und wo wir eben Verträge noch nicht migrieren können aufgrund dessen. Deswegen ist unser Ziel immer so schnell wie möglich die erste Testmigration durchzuführen. Also es ist, sobald die Migrationsstrecke steht, wollen wir die ersten Daten rüberschicken und wenn das einfach komplett in die Binsen geht, ist es auch vollkommen okay, aber wir wissen, wo wir fehlen, nachjustieren müssen.

Craig Entweiler [00:28:34]:
Deswegen ist Test sehr, sehr besonders bei der Migration. Und wie ich eben auch schon gesagt habe, wenn die Daten einmal produktiv falsch migriert wurden, ist es teilweise sogar unmöglich, Fehler zu korrigieren oder sie sind sehr teuer und unter Umständen muss man die Kunden mit einbinden, den Vertrieb mit einbinden. Man möchte keine Fehler in der Produktiv.

Tanja Kick [00:28:54]:
Migration, was natürlich dann so ein bisschen die Frage nach dem Go No Go Moment stellt. Also es ist der Abend vor dem Cutover. Worauf guckt ihr, welche KPIs, welche vielleicht fachbereichliches Bauchgefühl?

Alex Bernhardt [00:29:12]:
Worauf schaut ihr am Abend vor dem Cutover? Also einerseits könnte man natürlich sagen, es ist ein bisschen spät, um auf Key KPIs zu schauen, aber trotzdem wäre das einer der ersten Punkte. Also wirklich die Kern KPIs prüfen, Anzahl migrierte Partner, Verträge, Summen, Schäden, Fehleranzahlen, also die klassischen Fachdomänen prüfen, Log Dateien prüfen. Genau das ist der erste Punkt. Und ansonsten schon eben vor diesem Abend der Cutover. Planung ist ein ganz essentieller Teil von einem Migrationsprojekt. Kontinuierliche Verbesserungen. Gehen diese Fehlerzahlen kontinuierlich zurück, beziehungsweise bleiben sie mindestens stabil.

Alex Bernhardt [00:30:02]:
Dann ist man auf einem guten Weg.

Craig Entweiler [00:30:05]:
Worauf ich vielleicht noch achten würde, tatsächlich noch am Abend vorher, ist die Performance der Migrationsstrecke, weil meistens oder oftmals wird am Wochenende migriert oder wenn am Wochenende migriert wird und die Systeme alle runtergefahren sein müssen, dann muss man natürlich auch schauen, dass man den Zeitraum einhalten kann und nicht noch bis montags morgens irgendwie die Systeme runtergefahren haben muss. Und da kann es tatsächlich auch schon mal zu kurzzeitigen Schwankungen in der Performance der Migrationsstrecke kommen aus diversen Gründen. Und da ist es natürlich wichtig, dass wir die Menge an Verträgen, die wir uns vornehmen, auch in einem sinnvollen Zeitfenster wirklich rüberschieben können.

Alex Bernhardt [00:30:47]:
Und auch das ist idealerweise schon in Testmigration vorab natürlich gemessen worden, skaliert worden und sichergestellt worden.

Tanja Kick [00:31:00]:
Jetzt ohne Namen zu nennen, habt ihr irgendwie eine Go No Go Situation im Kopf, wo ihr froh wart, dass es klare Kriterien dafür gab, ob man jetzt den Cutover macht oder nicht.

Tanja Kick [00:31:13]:
Und nicht sozusagen reines Bauchgefühl entscheidend gewesen ist. Habt ihr da Erfahrung?

Alex Bernhardt [00:31:20]:
Ich würde sagen, Beispiel, was sich viele vorstellen können, ist, du hast KPIs vereinbart, um ein Go no Go zu entscheiden. Und diese KPIs haben Summen umfasst und die Summen können stimmen. Da könnte eine grüne Ampel stehen im KPI Dashboard. Aber wenn du weitere Dimensionen, Unterdimensionen von diesem KPI schon vorher definierst, siehst du plötzlich alles rot oder viel rot, weil die Buchungen mit den falschen Buchungskürzeln zum Beispiel migriert wurden. Und das wird natürlich extrem schnell umschlagen, wenn man die eine obere Ebene hat. Go würde zu einem no Go werden, wenn man die unteren zu spät bedacht hat.

Craig Entweiler [00:32:07]:
Dann kann man sich auch noch so Konstellationen vorstellen, wo Kunden etwas risikoaverser sind. Also man findet eigentlich in fast jedem Projekt jemanden, der sagt oder der sich ein bisschen scheut zu okay, es sind zwar jetzt alle Ampeln auf grün und wir haben nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ ein Go. Und da gibt es immer wieder risikoadverse Menschen, die dann sagen ja, viel vielleicht doch nicht und hier dieser Fehler ist doch viel wichtiger, als wir es eigentlich eingetragen haben. Und da ist es dann doch schon gut, dass man wirklich objektive Bewertungskriterien hat und okay, wir haben jetzt vielleicht noch zwei, drei Fehler, die wir nicht lösen können vor der Migration, aber dafür haben wir Lösungswege, wie wir das nach der Migration regeln können. Da sind dann KPIs auf jeden Fall schon noch ein gutes Bewertungskriterien.

Tanja Kick [00:33:00]:
Jetzt ist es ja gerade, wenn ich Migration früh denke, eigentlich in der Regel schon so, dass das Zielsystem noch irgendwie gebaut wird und gleichzeitig wird die Migration schon geplant. Also ist ja eigentlich gut, dass man es so früh macht, aber das kriegt dann natürlich ein bisschen was von Moving Target.

Tanja Kick [00:33:20]:
Wie geht man denn damit am geschicktesten um?

Craig Entweiler [00:33:24]:
Das ist eins meiner Lieblingsthemen. Da kommt so richtig Komplexität rein. Also meiner Meinung nach ist das auch tatsächlich die größte Herausforderung für ein Migrationsprojekt, wenn das Zielsystem noch vorher entwickelt wird. Migrationsprojekte sind da oftmals die vergessene Verwandtschaft, die man ja dann doch noch irgendwie so mitnehmen muss, aber eigentlich möchte man das auch nicht und das ist ja dann noch mehr Arbeit und eigentlich ist man froh, wenn das Zielsystem steht.

Craig Entweiler [00:33:50]:
Da hat man extrem hohe Abhängigkeiten zwischen diesen beiden Projekten und ein enorm hohes Frustrationspotenzial. Da ist es auf jeden Fall sehr wichtig, dass man diese beiden Projekte sehr früh sehr eng miteinander verzahnt. Wenn ich mir was wünschen könnte, wie zukünftig diese Projekte ablaufen, dann würde ich mir wirklich wünschen, dass beide Projekte gleichzeitig mitgedacht werden, dass mit dem Migrationsprojekt ein MVP für das Zielsystem definiert wird und diese MVP abgestimmt und umgesetzt wird und dann die Migrationsanforderungen direkt im Anschluss folgen würden und dann erfolgt erst der Feinschliff. Das wäre so die ideale Vorgehensweise. In der Praxis funktioniert das nicht immer ganz so gut, aber das wäre auf jeden Fall ein Vorgehen, was sehr viel Komplexität rausnehmen könnte und es muss einfach ein Bewusstsein dafür da sein bei allen Beteiligten. Es ist einfach ein Moving Target, daran können wir jetzt auch nichts ändern und das bedeutet einfach, dass wir immer wieder nachjustieren müssen und das ist auch OK so. Und dieses Verständnis muss, glaube ich, auch bei allen Beteiligten einfach ankommen, dass es auch einfach mehr Aufwände erzeugt.

Alex Bernhardt [00:35:06]:
Alexander du hast im Prinzip so eine ähnliche Frage wie bei den schnellen 5 hier konkret auf Migration gestellt. Improvisationskünstler oder perfekte Planung? Ja, deswegen habe ich gefragt vorneweg, es ist gar nicht so gegensätzlich, sondern wie Tanja gerade schon dargelegt hat, je früher ein Migrationsprojekt mit eingebunden wird und das Programm für die.

Alex Bernhardt [00:35:32]:
Für die Transformation eben auch Ownership für diese Migration früh zeigt, desto wertvoller und schon ab dann kann die Migration auch wichtige Erkenntnisse dem Fachbereich mitteilen und.

Alex Bernhardt [00:35:47]:
Dementsprechend das Zielsystem sogar risikoärmer gestalten anfordern. Und andererseits ist es natürlich schwierig, ein Moving Target kontinuierlich zu verfolgen und die Zuordnungsregeln anzupassen. Das stimmt.

Tanja Kick [00:36:04]:
Wenn jetzt diese beiden Projekte.

Tanja Kick [00:36:07]:
Bau des Zielsystems und Vorbereitung Migration so miteinander abgestimmt sind, dann ist das ja immer so der Klassiker. Dann gibt es ganz viele Meetings. Gibt es denn ein Warnsignal für euch, wo ihr sagen wü Also noch ein Meeting mehr wird jetzt nicht viel bringen, sondern wir müssten mal etwas fundamentaler darüber reden, wie eigentlich hier die Governance und wirklich ist, weil Meeting heißt ja nicht Governance. Meeting ist ja nur ein mögliches Instrument.

Alex Bernhardt [00:36:35]:
Also ich glaube, ein klassisches Warnsignal ist immer, wenn ganz viele Leute keinen Plan mehr haben, wo es hingeht. Und leider.

Alex Bernhardt [00:36:45]:
Waren wir wahrscheinlich alle mal ein oder zweimal in solchen Projektsituationen.

Alex Bernhardt [00:36:51]:
Genau. Und da muss man dann sagen, jetzt sind nicht mehr Termine wichtig, sondern ist wirklich Governance gefordert, klare Steuerung und Strukturierung des Projekts. Genau. Ich würde sagen, das ist so ein Warnsignal.

Craig Entweiler [00:37:10]:
Ja, definitiv. Und auch so ein Klassiker ist auch immer, dass Fehler neu auftreten in Bereichen, die schon getestet wurden, erfolgreich getestet wurden, unter Umständen sogar auch schon abgenommen wurden. Das ist auch auch immer so ein Punkt, wo man okay, wir müssen uns jetzt noch mal zurückziehen, nochmal neu sortieren, die Prozesse nochmal überdenken. Also meistens liegt es dann daran, dass die Technik entweder instabil ist oder eben die Testenden komplett verloren sind, weil sie nicht mehr wissen, was sie testen müssen. Und das zielt dann wieder auf Craigs Antwort ein. Genau. Also da gibt es schon die einen oder anderen Warnsignale.

Tanja Kick [00:37:45]:
Jetzt werfen wir mal einen Blick in die Kristallkugel und zwar in zwei Richtungen. Die eine Sache ist ja, dass im Moment die Technologie sich gerade wahnsinnig ändert, getrieben durch KI und dadurch auch potenziell das ganze Tooling. Und auf der anderen Seite kommen ja eigentlich Migration, wenn man wirklich ehrlich ist, nicht so ganz überraschend. Im Normalfall weiß ich ja schon so grob, dass ich in fünf Jahren, sieben Jahren, zehn Jahren, drei Jahren doch dann mein System mal ablösen muss und dass dann da wohl auch eine Migration nötig ist.

Tanja Kick [00:38:19]:
Wenn wir das ganze jetzt in 5 Jahren aufnehmen.

Tanja Kick [00:38:24]:
Was aus eurer Sicht, wie sieht denn dann die Migration aus in 2030 und wie können sich denn heute Teams schon darauf vorbereiten, damit sie in 5 Jahren schneller und entspannter migrieren, wenn sie schon wissen, dass das auf sie zukommt?

Craig Entweiler [00:38:42]:
Vielleicht so wie Migration in 5 Jahren aussieht. Also ich glaube, dass auf die nächsten 5 Jahre gesehen, das ist ja noch ein relativ überschaubarer Zeitraum, weiterhin die Treiber für Migrationsprojekte die Ablösung von Legacy Systemen sein wird. Und ansonsten wird der Einsatz von KI eine doch sehr viel bedeutendere Rolle in unserem operativen Arbeiten einnehmen. Also gerade so bei der Erkennung von Datenmustern nutzen wir KI heute auch schon.

Craig Entweiler [00:39:12]:
Auch das Schreiben von Migrationsregeln, das Schreiben von Code, wenn es um Anpassungen der Schnittstellen geht. Überall dort wird KI in der Zukunft deutlich mehr zum Einsatz kommen. Und wir werden auch verstärkt Einsatzgebiete haben, die wir heute noch gar nicht kennen, die für uns heute noch nicht denkbar sind, weil sich die KI einfach so viel, so stark und so schnell weiterentwickelt.

Craig Entweiler [00:39:33]:
Der Einsatz von Testspots wird immer häufiger werden aus meiner Sicht, aber wir werden auch weiterhin Handarbeit leisten müssen und es wird, so wie ich es aktuell einschätze, nicht sein, dass wir komplette Arbeitspakete von einer KI übernehmen lassen können, aber sie können uns sehr viel Arbeit abnehmen in Zukunft.

Alex Bernhardt [00:39:54]:
KI wird absolut essentiell sein in 5 Jahren in jedem Migrationsprojekt. Davon ist auszugehen, einfach schon wegen den genannten Punkten. Datenprofilierung, Mapping Regeln, automatisiert, Testautomatisierung, aber gleichzeitig die Erfahrung von 20 Jahren Arbeit als System. Das Fachwissen, das kann man auch nicht durch eine KI ersetzen, mit Sicherheit. Also wir werden weiterhin.

Alex Bernhardt [00:40:24]:
Viele Fachbereichsmitarbeitende mit in den Migrationsprojekten haben und damit KI den Mehrwert bringt, den es verspricht, sollte man eben schon heute für zukünftige Migration.

Alex Bernhardt [00:40:40]:
Die Daten derart auch aufbereiten. Also gewisse Zentralisierung, um eben ein KI Tool anzuwenden, gewisse Datenqualität, klassische Aspekte, die wir häufig gehört haben zu KI, um das eben vorzubereiten. Und dann, wenn man das gemacht hat, wird es am Ende eben ein menschlich begleitetes, aber gutes, gut kontrolliertes Engineering Projekt am Ende sein und nicht mehr das riesige Monster, was es heute immer fast immer wird.

Tanja Kick [00:41:12]:
Stichwort Erfahrung. Ihr habt ja jetzt viel Migrationserfahrung, auch jetzt nicht durch KI einfach kopierbar. Gab es denn in eurer Laufbahn, in eurer Erfahrung Migrationsmomente, die ihr nie vergessen werdet, positiv am besten oder sonst auch negativ und oder gab es Dinge, wo euch ein Artefakt oder Ritual wirklich mal so richtig den Hintern gerettet hat?

Craig Entweiler [00:41:42]:
Also was so diese positive Erinnerung betrifft, habe ich auf jeden Fall mein erstes Migrationsprojekt, das ich geleitet habe, in Erinnerung. Sonst kennt man ja Projekte immer so, da wird gerne mal der Zieltermin verschoben. Es gibt immer ein MVP vom MVP vom MVP.

Craig Entweiler [00:42:00]:
Und das erste Projekt, da sollten zwei Sparten migriert werden und wir hatten insgesamt Verträge so in etwa, die wir migrieren wollten. Und es wurde eine Sparte, die Produktivmigration einer Sparte wurde um drei Monate verschoben und es gab in der Produktivmigration sage und schreibe zehn Verträge, die Auffälligkeiten hatten von Stück.

Craig Entweiler [00:42:26]:
Und drei unkritische Fehlermeldungen in Produktion, die auch innerhalb von einer Woche komplett beseitigt werden konnten. Also das war so ein Moment, wo ich dachte, Projekte können ja auch absolut reibungslos verlaufen.

Craig Entweiler [00:42:39]:
Während der Projektlaufzeit war natürlich nicht alles so reibungslos, aber die Produktivmigration und dann noch mit unserem Migrationsdrehbuch an der Hand. Und das wäre das Artefakt, was ich gerne nennen möchte an dieser Stelle. Das hat wirklich dafür gesorgt, dass wir von Freitag bis Montag ein komplett durchgetaktetes Drehbuch hatten. Es war super entspannt, jeder wusste, wann was zu tun ist. Es war alles super vorbereitet, das Ergebnis war hervorragend und am Ende stand natürlich ein sehr zufriedener Kunde.

Alex Bernhardt [00:43:06]:
Ja, das kann ich nur teilen. Also die Momente sind einfach unvergesslich.

Alex Bernhardt [00:43:14]:
Genau. Und zu der Frage noch mit dem Artefakt, was regelmäßig rettet, ist eigentlich so ein ähnlicher Moment wie bei dieser Cockpit Situation oder Kontrollraum Situation, die Tanja gerade am Ende einer Migration dargestellt hat. Das sind diese All Hands on Deck Meetings davor, die man braucht, um alle Beteiligten wirklich von rechts bis links dabei zu haben. IT Fachbereich Migrationsteam, Schritte gemeinsam durchgehen, was passiert wann, wer muss was prüfen, was könnte schiefgehen. All diese Fragen sollte man wirklich en Detail mit allen durchgehen zusammen. Und diese 20 Minuten Meetings, die sind dann an der Checkliste einfach Gold wert, weil irgendjemand sieht dann doch in einem anderen Bereich irgendeinen Abhängigkeitspunkt, der bisher völlig verschütt war und der wäre sonst im Go Live dann aufgefallen. Also diese.

Alex Bernhardt [00:44:17]:
Quer Cross Domain Meetings mit allen zur Migration sind ganz wichtig.

Tanja Kick [00:44:25]:
Ja, vielen Dank. Das waren spannende Einblicke aus eurer Erfahrung. Jetzt haben wir die Tradition der Famous Last Words. Da könnt ihr noch mal so richtig einen raushauen. Da könnt ihr jetzt entweder einen Satz sozusagen befördern, der bisher zu selten gesagt wird, oder ihr dürft einen Satz in Pension schicken. Was sind denn da eure Vorschläge, Tanja? Vielleicht du zuerst?

Craig Entweiler [00:44:48]:
Ja, also ich würde mir wünschen, dass ich den Satz viel öfter höre, dass man ja die automatisierten Tests, die bereits implementiert sind.

Craig Entweiler [00:44:56]:
Mit sehr wenig Aufwand auch für Migrationstests genutzt werden können. Das wäre schön.

Alex Bernhardt [00:45:05]:
Also zu selten höre ich so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Ganz wichtiger Satz in der Migration. Und das Gegenstück dazu möchte ich sofort in Rente schicken. Das Wir migrieren einfach alles sicher ist sicher. Das Gegenteil findet dann nämlich statt.

Tanja Kick [00:45:23]:
Ja, sehr spannend. Dann vielen Dank für eure Einblicke und die Geschichten aus dem Maschinenraum der Datenmigration. Wenn unsere Hörerinnen und Hörer tiefer einsteigen wollen, das Whitepaper gerne haben wollen, mit euch darüber reden wollen, wie kommen sie denn da am besten mit euch in Kontakt?

Craig Entweiler [00:45:43]:
Genau, das Whitepaper, das findet ihr auf unserer Homepage und in Kontakt treten könnt ihr genauso gut auch über die Homepage. Da sind Kontaktformulare hinterlegt. Wenn ihr mich persönlich erreichen möchtet, gerne auch per E oder Ich bin auf LinkedIn Xing noch zu finden. Also mich findet man überall.

Alex Bernhardt [00:46:04]:
Genau, migriert einfach eine Nachricht über den präferierten Kommunikationskanal zu uns und das wird klappen.

Tanja Kick [00:46:12]:
Sehr schön. Ja, dann ganz herzlichen Dank an euch, Tanja und Craig und an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert den Podcast, empfehlt uns weiter, teilt ihn, denn teilen macht glücklich, weil geteilte Freude ist ja doppelte Freude. Herzlichen Dank.