Insurance Monday: Digitalisierung & Versicherung
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Denn noch nie waren die Veränderungen der Digitalisierung so stark zu spüren. Banken und Versicherungen müssen sich mit Themen wie digitale Transformation, New Work, Disruption, Plattformen, InsurTechs und digitalen Geschäftsmodellen auseinandersetzen.
Mit Insurance Monday haben wir es uns zur persönlichen Aufgabe gemacht, alles Wissenswerte aus der Branche auf eine informative und unterhaltsame Art zu vermitteln. Unsere Hörer:innen profitieren von den Learnings und Tools erfolgreicher und inspiriender Macher:innen.
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Insurance Monday: Digitalisierung & Versicherung
Versicherungsmigration mit KI: Effiziente Prozesse, Testen und die Rolle der Daten
Im Insurance Monday Podcast widmet sich Host Alexander Bernert gemeinsam mit seinen Gästen dem spannenden Thema Bestandsmigration in der Lebensversicherung – der sogenannten „Königsdisziplin“ im Bestandsmanagement. Mit dabei sind Dr. Nils Rautenberg vom HDI, Claudia Schmidt von Beltios sowie Axel Kotulla von msg, die ihre vielseitigen Perspektiven einbringen: vom Aktuariat über IT und Consulting bis zum Konzernblick.
Im Zentrum der Diskussion steht die Frage, wie Generative AI (GenAI) die Migration von Lebensversicherungsbeständen nicht nur beschleunigen, sondern echte Bottlenecks auflösen kann. Die Runde beleuchtet, aus welchen Gründen Migration überhaupt nötig wird, welche Herausforderungen bei Daten, Rechenkern und der Vielfalt der Tarife bestehen, und wo GenAI heute schon realistisch helfen kann – beispielsweise im Wissensmanagement, bei der Analyse von Altdokumentationen und im Testprozess.
Neben fachlichen Einblicken teilen die Gäste auch persönliche Anekdoten, diskutieren die Abgrenzung zwischen regulierten und deregulierten Verträgen und wagen einen Ausblick, wie Migration und KI die Versicherungswelt in den nächsten Jahren verändern könnten.
Freut euch auf eine abwechslungsreiche Debatte mit viel Erfahrung, Leidenschaft für moderne Technologien und dem einen oder anderen augenzwinkernden Famous Last Word!
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Alexander Bernert [00:00:26]:
Hallo und herzlich willkommen zum Insurance Monday Podcast. Heute sprechen wir über die Königsdisziplin im Bestandsmanagement der Lebensversicherung, Migration und wie Generative AI dabei von einem Bottlenecklöser zum echten Beschleuniger werden kann. Wir schauen auf die Motivation, auf Risiken, auf Rechenkern und Tariflogik, Datenqualität, auf das Testen und insbesondere auf das, was GenAI realistisch kann und was man erwarten sollte. Ich freue mich auf 3 starke Perspektiven. Aus dem Konzern, Fokus Rechenkern, Dr. Nils Rautenberg vom HDI, aus der Hersteller, Consulting, Ökosystem und Kundensicht, Axel Kotulla von MSG und aus Aktuariat und Tooling und Prototyping Claudia Schmidt von Beltios. Stellt euch doch bitte einmal unseren Zuhörerinnen und Zuhörern einmal kurz vor.
Dr. Nils Rautenberg [00:01:30]:
Ja, Nils Rautenberg, hallo, wie gehört vom Konzern vom HDI. Ich bin gebürtiger Pottler, gelernter Mathematiker, der Region im Wesentlichen treu geblieben, auch wenn ich das Rheinland dann abschätzen lernt, versicherungsseitig. Mathematik studiert, promoviert in Bochum, dann in die Versicherungsbranche gegangen als Mathematiker mit der Idee, in der Niedrigzinsphase gibt es hier einiges zu tun. Fantastisches Spielfeld, sich auch mal innovativ mit der Lebensversicherungsmathematik zu beschäftigen. Gecashed, gefischt vom HDI, weil man dort Rechenkernentwicklung hochgeschrieben hat, auch in-house. Habe ich sehr geschätzt, habe ich gern gemacht. Im HDI bin ich seit 2018, habe zwischendurch anderthalb Jahre die Migrationen des HDI geleitet und derzeit dann die Rechenkernentwicklung
Claudia Schmidt [00:02:20]:
der Lebensversicherung. Hallo, ich bin Claudia Schmidt von Belgios. Ich bin Mathematikerin, wollte nie in die Versicherungsbranche, bin dann doch in der Versicherungsbranche gelandet. Bin in der Branche seit 2001, war zunächst beim Softwarehaus und dann beim Erstversicherer in der Produktentwicklung und seit 2007 bin ich bei Belgios. Hab dort zunächst als Senior Consultant angefangen und bin seit 2017 in der Geschäftsführung, verantworte da das aktuarielle Consulting und mein Lieblingsthema ist der aktuarielle Test.
Axel Kotulla [00:03:01]:
Ja, hallo, freut mich Teil dieser spannenden Runde zu sein. Ich bin Rheinländer, lebe aber im Moment in der, kann man sagen, Diaspora in München, gewöhne mich immer noch ein wenig ein und bin in der MSG verantwortlich für unsere deutschen Versicherungskunden. Von Hause aus bin ich Informatiker und habe mir auch nicht so richtig vorstellen können, mal in der Versicherungsbranche zu landen. Früher habe ich so als klassischer Berater mich eher in Industrien herumgetrieben, wo es qualmt und raucht, aber jetzt seit inzwischen auch fast 20 Jahren in der Branche unterwegs und kümmere mich in der MSG Problemlösungen, Kommunikation, natürlich auch Vertrieb, aber mir ist wichtig, dass immer das Ganze mit ein wenig Begeisterung oder noch besser mit viel Begeisterung bei unseren Kundinnen und Kunden passiert.
Alexander Bernert [00:04:00]:
Ja, ganz herzlich willkommen. Ich freue mich auf die Diskussion. Jetzt wollen unsere Zuhörerinnen und Zuhörer euch ja auch noch ein bisschen besser als Personen kennenlernen und deswegen unser Format der schnellen 5. Ich würde vorschlagen, ihr antwortet dann immer in der gleichen Reihenfolge. Erst Nils, dann Claudia, dann Axel. 5 Fragen, schnelle Antwort. Das eine, das andere oder vielleicht ein drittes. Wir werden sehen.
Alexander Bernert [00:04:26]:
Excel oder Python?
Dr. Nils Rautenberg [00:04:28]:
Python.
Anne-Marie von Weyhe [00:04:30]:
Bei mir ist es Excel, weil ich Python noch zu wenig beherrsche.
Alexander Bernert [00:04:34]:
Steak vom Grill oder Vegen Bowl? Vegen Bowl.
Claudia Schmidt [00:04:39]:
Steak vom Grill.
Anne-Marie von Weyhe [00:04:40]:
Da schließe ich mich an, Steak vom Grill.
Alexander Bernert [00:04:43]:
Fernreise oder Alpenüberquerung? Alpenüberquerung. Fernreisen.
Anne-Marie von Weyhe [00:04:49]:
Alpenüberquerung, aber nur im Sommer.
Alexander Bernert [00:04:52]:
Planer oder Doer? Doer.
Anne-Marie von Weyhe [00:04:56]:
Mein Motto ist, das vom A-Team, ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Kann man ja so nicht festlegen.
Alexander Bernert [00:05:04]:
Und Hannibal war ja auch ein Doer.
Anne-Marie von Weyhe [00:05:08]:
Eigentlich ja.
Alexander Bernert [00:05:10]:
Google-Suche oder Chat-GPT-Fragen?
Dr. Nils Rautenberg [00:05:14]:
Use-Case-abhängig. Bei mir auch, kommt darauf an.
Anne-Marie von Weyhe [00:05:18]:
Ja, 50-50, aber die Tendenz geht zu GPT und seinen Brüdern und Schwestern.
Alexander Bernert [00:05:23]:
Ja, spannend. Dann wollen wir ins Thema einsteigen und vielleicht einmal als Ausgangspunkt mag jede und jeder von euch in einem Satz sagen, wofür brennt ihr eigentlich beim Thema Migration und KI?
Dr. Nils Rautenberg [00:05:40]:
Ja, ich fange auch hier einfach mal an. Ich brenne dafür, Migration anders machen zu können.
Claudia Schmidt [00:05:47]:
Ich brenne dafür, dass man Migration effizient macht und da verschlankt, wo man verschlanken kann. Und wichtig finde ich immer einen qualitativ hochwertigen Testprozess und denke, dass da KI immer besser bei unterstützen kann, insbesondere bei der Automatisierung.
Anne-Marie von Weyhe [00:06:11]:
Ja und ich brenne vor allen Dingen für das, was nach der Migration mit modernen Systemen und Plattformen möglich wird. Und ich muss jetzt einen zweiten Satz hinterher schieben, denn beim Thema Brennen ist mir eingefallen, dass mir oft auch die Ohren brennen, wenn ich bei vielen immer wieder die Ausrede höre, warum man jetzt gerade noch nicht mit der Migration anfangen kann und was man sich alles als Entschuldigung ausdenkt, aber die Zeiten werden nicht besser. Von daher sagen wir immer leg jetzt los, weil du wirst es bereuen nicht früher damit angefangen zu haben.
Alexander Bernert [00:06:43]:
Es führt mich ja perfekt zur nächsten Frage, nämlich warum soll man überhaupt migrieren? Was sind denn da die harten Gründe und was beobachtet ihr im Markt? Was triggert denn dann wirklich nach all dem Zögern, Warten vielleicht, die Migration zu beginnen? Was sind da Muster, vor allen Dingen jetzt vielleicht auch mit Blick auf große Lebenbestände?
Anne-Marie von Weyhe [00:07:06]:
Ja, Migration heißt ja letztendlich Systemerneuerung, weil die Migration ist irgendwo Mittel zum Zweck und da erleben wir viele Facetten von Produktinnovation, die man schneller zum Kunden bringen kann, von KI-Fähigkeiten, die man mit neuen Systemen erreicht, aber auch Anschlussfähigkeiten an moderne Service-Architekturen. Kosten steht nach meiner Beobachtung nicht unbedingt an erster Stelle. Was ich mir allerdings oft nur so erklären kann, dass man immer irgendwie doppelt rechnet, nämlich die vorhandenen Personalkosten plus die Kosten des neuen Systems. Und da gilt es immer noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, dass doch mit moderneren Systemen einiges, insbesondere wenn man über Software as a Service spricht, an Aufwänden wegfällt. Und wenn man da immer so als Berater die Frage stellt, was kostet euch eigentlich heutzutage die Verwaltung von 1 Polizei, ist es erstaunlich, wie selten man da eine ehrliche Antwort bekommt.
Alexander Bernert [00:08:07]:
Die auch oft gar nicht so leicht zu finden ist. Das weiß ich auch.
Anne-Marie von Weyhe [00:08:10]:
Genau, was rechnet man rein und was nicht, ist genau die richtige Frage dann.
Alexander Bernert [00:08:15]:
Nils, wie ist deine Perspektive?
Dr. Nils Rautenberg [00:08:17]:
Ich denke, 1 der Faktoren, der dazu beiträgt, dass wir überhaupt migrieren in der Branche, in Fläche, sicherlich ist, dass an der einen oder anderen Stelle man dann doch in Not geraten kann. Ein paar davon hast du, Axel, ja gerade schon genannt, Nöte, die das so triggern können. Und wir migrieren, diese Nöte zu lösen, weil uns nichts Besseres eingefallen ist, als es auf dem Weg zu lösen, dass wir das ganze System tauschen. Und Ehrlicherweise muss man da, finde ich, auch genauso drauf gucken. Migrieren ist die Lösung für ein Problem, das davor entstanden ist. Und ich muss jetzt ein bisschen kritisch auf unsere Branche durchaus sagen, an der einen oder anderen Stelle sind wir in der Regulierung besser als in der Prävention, offenbar.
Alexander Bernert [00:09:02]:
Claudia, wie ist dein Blick?
Claudia Schmidt [00:09:04]:
Ich gucke ja auch auf die Migration in erster Linie aus dem aktuellen Blickwinkel und da eigentlich so aus dem Thema Rechenkerne heraus. Und Da denke ich, ist die Not, eigentlich kann ich mich da ein bisschen Nils anschließen, die Not ist eigentlich einfach die Wartbarkeit der Rechenkerne, die so komplex sind und eben auch Mängel an Architektur haben oder auch Programmiersprachen, die dann irgendwann kein Mitarbeiter mehr kann und versteht. Und das denke ich ist jetzt aus der Perspektive so der ein wichtiger Punkt und dass meistens die Rechenkerne sind ja meistens Monolithen und haben von daher ein bisschen ein Problem auch schnell time to market zu kommen.
Alexander Bernert [00:10:06]:
Schneller werden als ein Gesamtunternehmen, aber ich glaube ja dieser dieser Druck, dieses Thema Wartbarkeit und ob die Systeme überhaupt noch den modernen Anforderungen genügen. Ja, wenn man nicht migriert wird es sozusagen auch teuer und irgendwann wird es sehr teuer.
Dr. Nils Rautenberg [00:10:23]:
Alexander, da finde ich, sollte man auch einfach darauf gucken, als eine Branche sind wir in einem Geschäft, das sehr, sehr langlebig ist. An vielen Stellen erlebe ich es in der IT durchaus, dass man Wartbarkeit auf dem Zettel hat, aber mit 1 Scope und Scale, die eigentlich nicht dem echten Lebenszyklus oder dem echten Product Lifecycle entspricht. Da muss ich mir die Frage anders stellen. Wenn ich den Rechenkern habe, wenn du ihn berätst oder wenn ich auf mein Team gucke, muss ich die Frage stellen, was möchte ich eigentlich meinem Nachfolger hinterlassen? Einen Stationen- oder einen übernahmefähigen Rechenkern? Und mein Nachfolger idealerweise in 25 Jahren. Das ist also eine Frage, der muss man sich wirklich mit Wartbarkeit befassen. Und wenn man es nicht tut, wird man es spätestens dann erleben, wenn die Frage vom Vorgänger nicht beantwortet wurde.
Alexander Bernert [00:11:14]:
Ja, Nebenverträge laufen lange. Ich glaube, deswegen ist auch Migration da ein großes Thema und andererseits, man kann auch nicht mal eben verkaufen, wie das vielleicht in der Sachversicherung geht. Und dann wird es aufwendig, wenn man dann die alten Verträge nimmt. Und dadurch, dass sie so lang laufen, ich erinnere mich noch an ein Seminar zu IT in meiner Ausbildung zum Aktuar, wo es hieß, das typische Kernsystem hält so 20 Jahre ungefähr, was ja dann nichts anderes heißt, als dass über einen Lebenvertrag Schnell mal 2 oder sogar 3 oder vielleicht sogar 4 Migrationen rüberlaufen können, je nachdem wann der begann.
Anne-Marie von Weyhe [00:11:53]:
Was aber in dem Zusammenhang ja interessant ist, dass wenn wir auf bestehende Systeme gucken, sind ja irgendwie Daten und die Systeme irgendwie so untrennbar miteinander verbunden. Und ich glaube, dass es also zumindest in der Zukunft so sein wird, dass man hier doch von 1 deutlicheren Trennung sprechen sollte, sodass man also dann die Systeme sehr viel einfacher austauschen kann, weil man die Daten einfach dort lässt, wo sie sind. Weil Warum muss ich die denn jedes Mal transformieren, durch irgendwelche ETL-Strecken schicken und kann sie nicht einfach dort lassen und lässt da dann neue Systeme einfach drauf arbeiten?
Alexander Bernert [00:12:28]:
Ja, das stimmt.
Dr. Nils Rautenberg [00:12:31]:
Spannender Punkt, Axel, den greife ich mal auf. In der Hinsicht muss man ganz klar sagen, muss man dann doch irgendwann sich die Frage stellen, ist mein eigenes heutiges Datenmodell, in dem ich eben unterwegs bin, operiere und halte, Ist es denn 1, das ich als Asset betrachte oder als Problem? Ich habe von beiden schon gehört und weil es auch schon in Praxisfällen bewundern dürfen. Aber das ist genau die Gretchenfrage. Die Wartbarkeit kann sich schon an der Stelle äußern.
Alexander Bernert [00:13:00]:
Sehr einverstanden. Wo seht ihr denn die großen Herausforderungen bei 1 Lebensmigration? Claudia, vielleicht möchtest du starten.
Claudia Schmidt [00:13:09]:
Die großen Herausforderungen sind aus meiner Sicht einfach eben die Tarifvielfalt, also die Menge und auch die Abhängigkeiten. Man hat ja wahnsinnig viele Themen bei der Migration zu beachten und dann wirklich das Timing und die Abhängigkeiten auch so aufgelöst zu bekommen, das ist, denke ich, schon eine große Herausforderung.
Anne-Marie von Weyhe [00:13:38]:
Da bin ich jetzt natürlich hier 2 erprobten Mathematikern gegenüber und Als der Nicht-Aktuar kann ich jetzt einfach nur sagen, mir fällt auf, dass an der einen oder anderen Stelle so ein bisschen mehr Mut oder vielleicht auch weniger Angst vor der BaFin ganz hilfreich wäre. Ich habe auch schon so 2, 3 Migrationen in größerem Umfang auch in meiner früheren Zeit bei der Allianz begleitet und höre immer wieder, wir können den Kunden nicht schlechter stellen, aber wir dürfen ihn wegen des Kollektivs auch auf keinen Fall besser stellen. Dass man aber durch eine schlanke und vielleicht auch mal an der einen oder anderen Stelle vereinfachende Migration das Kollektiv insgesamt besser stellt, weil man viel kostengünstiger unterwegs ist. Das wird in meinen Augen zu selten betrachtet und man könnte in meinen Augen durch unnötige Mehrkosten das ein oder andere Verschlanken beschleunigen und damit dann halt auch eben im Zielsystem deutlich einfacher dem Kunden und auch den Sachbearbeitenden hinstellen.
Dr. Nils Rautenberg [00:14:39]:
Ja, das verwaltete Kollektiv, also das ist natürlich eine der ganz großen in Anführungszeichen Rechtlichen, Nachvollziehbaren, aktuariell auch durchaus wirklich hart vertretenen Sachen, die Gleichbehandlung des Kollektivs, die Nicht-Schlechterstellung des Kunden und die Frage, was das denn konkret heißt. Die einfache Antwort darauf ist eine, die tatsächlich, da gebe ich dir recht, Claudia, ziemlich teuer ist. Weil unterm Strich der Bestand ist ja nichts anderes als das Neugeschäft von gestern. Was da so alles entstanden ist, aus verschiedensten, absolut nachvollziehbaren Gründen, produziert insbesondere sicherlich auch einen Umstand, der vielleicht gar nicht allen so bewusst ist, während sie einen führen. Man hat eine Menge Kollektive, die alle gleich behandelt werden wollen. In der Praxis zeigt sich, dass seltenst diese Kollektive am Ende doch mal aggregieren in ein größeres, wirklich gleichzulassendes Kollektiv. Aber was ist jetzt für jedes einzelne Kollektiv richtig, ist sicherlich eine Frage, die kann man auch mal gesamtökonomisch diskutieren, in einem harten Rahmen. Mut bei der Waffen, ich bin gespannt.
Dr. Nils Rautenberg [00:15:52]:
Ich finde das gut, dass die Waffen drauf gucken. Ich finde das richtig, dass wir an der Stelle hart geprüft werden, Denn ehrlicherweise lebt unsere Branche von einem Versprechen, dass man sich auch aus Endkundenperspektive selten vor Augen führt, dass da sagt, ich schließe mit einem Unternehmen einen Vertrag. Wie wir heute wissen, potenziell ist dieser Vertrag irgendwann bei einem anderen Unternehmen. Aber ich bin in dem festen Glauben in diesen Vertrag gegangen, dass der 80 Jahre später wie man noch bedient wird. Im Extremfall. Vielleicht ist er nur 50. Insofern ist das genaue Draufgucken in meinen Augen angemessen. Gleichzeitig Aber teuer.
Anne-Marie von Weyhe [00:16:31]:
Da bin ich völlig bei dir, Nils. Ich sage nur immer bei den Gesprächen, die wir auch so führen, die BaFin hat ja nichts dagegen, wenn man alle besser stellt. Es muss natürlich wieder in gleichem Maße passieren. Keiner darf irgendwie benachteiligt werden gegenüber jemand anderem. Und wenn ich dann manchmal so angucke, wenn man irgendwelche Tarife hat, wo dann vielleicht noch, weiß ich nicht, 1000 oder noch weniger Verträge drin sind und man da halt eben sich zu einem Schritt aufraffen könnte, wage ich die Aussage, da geht noch was.
Claudia Schmidt [00:17:00]:
Also ohne jetzt zu sehr in die Tiefe abzusteigen, aber man muss vielleicht ja dann an der Stelle auch noch unterscheiden, bin ich ein regulierter oder ein deregulierter Vertrag. In der regulierten Welt habe ich im Prinzip ja sogar nur einen Verhandlungspartner. Ich kann einen Koalitionsgeschäftsplan erstellen und kann den mit der Bafin diskutieren. Und wenn die Bafin die ihm genehmigt, dann kann ich eine Änderung auch durchführen für den kompletten Tarif oder den kompletten Bestand dieses Tarifs. Und da denke ich schon, dass die BaFin da auch gesprächsbereit ist. Natürlich immer unter der Prämisse, der Kunde ist besser gestellt. Und im Deregulierten habe ich eben immer das Problem, dass ich mit jedem Kunden einzeln einen Vertrag geschlossen habe. Und da habe ich dann einfach auch noch mal eine andere Verantwortung.
Claudia Schmidt [00:18:11]:
Aber ich möchte in dem Zuge vielleicht noch mal einen anderen Aspekt einbringen, weil viele Punkte kommen ja nicht unbedingt aus 1 Ungenauigkeit heraus, in der man kalkuliert, sondern durch eine Änderung der Systematik, wie man rechnet, obwohl man trotzdem weiterhin richtig rechnet. Also allein deshalb ergeben sich ja Toleranzen, die es eigentlich zu akzeptieren dann auch gilt. Also Rundungen zum Beispiel oder ob ich die Daten immer verschmolzen habe oder ob ich Bausteine füge und so weiter. Und dann habe ich ja eigentlich erstmal gar nicht unbedingt was an der Berechnung selbst geändert. Also da, an der Stelle kann man vielleicht schon tatsächlich manchmal auch etwas.
Dr. Nils Rautenberg [00:19:07]:
Ja, das verstehe ich. Der Punkt ist vielleicht erstmal allgemeiner, weil ich das Datenmodell tausche, laufe ich in diese Fragen und ich tausche eine Regel nicht nur das Datenmodell, sondern auch die Kalkulationsvorschriften und die Definitionen davon, was überhaupt in diesem konkreten Fall anerkannte Regeln der Versicherungsmathematik sind. Allein dieser Umstand produziert sehr viele Fragen darum, was ist denn nun in diesem Sinne als korrekt und nicht schlechter stellen zu werden. Keine Frage. Ich finde aber einen Punkt, weil wir gerade bei den größten Herausforderungen sind, haben wir gerade gestriffen, den sollte man vielleicht auch unter der Prämisse einmal verstehen. Du hast in meinen Augen, in meiner Praxiserfahrung zurecht gesagt, Claudia, wenn ich auf die regulierte Welt gucke, dann ist meine Verhandlungsposition eigentlich sogar einfacher. So gut es das klingt, es ist härter reguliert, es ist in dem Fall leichter. Ich habe einen Migrationsgeschäftsplan.
Dr. Nils Rautenberg [00:20:02]:
Wenn die BAFN sagt, ja, da machen wir es richtig, dann bin ich erst mal fein. Dann kann ich das so umsetzen, dann kann ich die Migration vollziehen. Ich kann auch hoffen, aufgrund der Bedingungen der Regulatorik seinerzeit, dass viele regulierte Tarife sehr ähnlich sind. Das macht in meinen Augen zu 1 größten Herausforderung überhaupt, dass im Sinne dessen, der Aktuar spricht oft vom durchwachsenen Bestand, also dem, bei dem alle Alter auch tatsächlich schon vorkommen im Vertragsleben, mit konkreten Verträgen. Wir sind noch gar nicht im durchwachsenden Bestand der Tarife angekommen, die dereguliert sind. Deregulierung ist gerade mal, was, ein bisschen mehr als 30 Jahre her. Und Das heißt, diese regulierte Welt ist immer noch ein Thema in der Migration, auch wenn sie 30 Jahre her ist, aber die deregulierte ist noch gar nicht voll durchgeschlagen. Und das halte ich für eine der allergrößten Herausforderungen.
Claudia Schmidt [00:21:00]:
Und die wird eigentlich ja noch viel schlimmer, weil vor 1995 gab es 3 oder 4 Tarifgenerationen und seitdem gab es fast jedes Jahr eine neue Tarifgeneration.
Dr. Nils Rautenberg [00:21:17]:
Sei es Regulatorik oder ein Rechnungszins oder der Wunsch des Vertriebs zu innovieren, da kommt einiges zusammen. Also wie gesagt, das ist aus meiner Sicht wirklich eine der größten Herausforderungen. Die regulierte Welt hat das Tarifgenerationen-Anzahl-Thema deutlich verschärft und verschärft das auch weiter.
Alexander Bernert [00:21:36]:
Dann lass uns doch jetzt einmal reinschauen, wenn das die großen Herausforderungen sind. Wo kann denn bei diesen Herausforderungen oder an anderen Teilen im Migrationsprozess die Gen-AI heute tatsächlich konkret helfen? Hat sich da schon was bewährt und was sind aus eurer Sicht vielleicht auch Tabus?
Dr. Nils Rautenberg [00:21:56]:
Ich mache mal einen ersten Aufschlag. Wissen. Wissen über diese Tarife. Aufbauend auf dieser Explosion an deregulierten Tarifgenerationen. Eine triviale Frage ist, und die ist teilweise, also wenn sich die Häuser da mal angucken, wie viele verschiedene Butzen habe ich denn? Wenn man eine Butz migriert hat, weiß man, eine Butz migrieren ist kein Kinderspiel. Und eine Butz in 1 Hauptversicherung die Dynamiken zulässt schon gar nicht. Das erste Thema, das GenAI in meinen Augen sehr grundsätzlich adressieren hilft, ist Wissen über die Vergangenheit erhalten oder wiederherstellen. Und das ist aus meiner Sicht auch ein unterschätztes Problem.
Dr. Nils Rautenberg [00:22:45]:
Ich meine, es ist die Urmutter dessen, warum wir überhaupt migrieren, weil da was auf Wagen gegangen ist. Es wirkt quasi doppelt. Zum einen ist Wissen oder Wissenserhalt der Schlüssel dazu, nicht so oft migrieren zu müssen. Ich rede nicht von wollen. Man kann auch migrieren wollen. Wir haben gerade viele Gründe besprochen, die sind eigentlich migrieren müssen. Aber selbst wenn ich migrieren muss, hilft mir Wissen. An der Ebene und auf dem Punkt ganz grundsätzlich, ohne jetzt im Detail über Einzel-Use-Cases zu stolpern, glaube ich, dass GenAI einen geringen Impakt hat.
Claudia Schmidt [00:23:20]:
Genau, da direkt vielleicht noch ein bisschen anzuknöpfen, also das Wissen kommt ja in dem Fall eigentlich so aus unterschiedlichen Quellen. Ich denke, was GenAI schon sehr, sehr gut kann, ist einfach Dokumente zu analysieren, also Tarifpläne, AVBs und so weiter. Wobei wahrscheinlich nicht alles Wissen oder nur ein Bruchteil des Wissens in den AVBs und den Tarifplänen steckt, sondern einfach auch viel in den Altsystemen oder wenn man Glück hat auch in anderen Dokumentationen
Alexander Bernert [00:23:59]:
wie
Claudia Schmidt [00:23:59]:
Datenmodellbeschreibungen, Funktionenmodelle, Anwenderhandbücher und so weiter.
Alexander Bernert [00:24:06]:
Und
Claudia Schmidt [00:24:09]:
also Dokumente denke ich kann GenAI an der Stelle, alles was dokumentiert ist, kann GenAI an der Stelle denke ich schon ganz gut analysieren. Das Altsystem, also im prinzip den alten code zu analysieren das könnte ich mir schon auch vorstellen dass es da anwendungsmöglichkeiten gibt
Alexander Bernert [00:24:34]:
es ist ja in gewissen sogar die wenn man so will die goldene Dokumentation, weil es die Dokumentation ist, die rechnet. Nur ist es schwer, unter Umständen die zu verstehen. Ja, akzeptabel.
Anne-Marie von Weyhe [00:24:46]:
Wichtig ist es dann, wenn man bei solchen Analysen feststellt, dass es da womöglich in der alten Welt Widersprüche gab, die man halt eben jetzt durch so eine Migration erstmal aufdeckt, dass also dann die AVBs oder die Tarife dem widersprechen, was man dann womöglich in den einzelnen Verträgen vorfindet und dann sich überlegen muss, upsala, wie löse ich das denn jetzt, wie bilde ich das denn jetzt in meinem neuen System halt eben ab, so wie ich es vielleicht in der Vergangenheit immer aber gemäß AVB eigentlich falsch gemacht habe oder wie kriege ich das halt eben dann sauber so hingestellt, dass es auch für den Kunden tatsächlich wieder passt.
Alexander Bernert [00:25:23]:
Oder vielleicht ist auch mal was falsch implementiert worden.
Anne-Marie von Weyhe [00:25:26]:
Alles möglich. Man findet da erstaunliche Dinge.
Alexander Bernert [00:25:29]:
Also Es wäre ja überraschend. Kann ja gar
Dr. Nils Rautenberg [00:25:31]:
nicht sein. Entwickler machen Fehler, ich bitte euch.
Anne-Marie von Weyhe [00:25:36]:
Oder Aktuare in der Vergangenheit, never ever.
Claudia Schmidt [00:25:39]:
Also jeder Tester hätte das gefunden, gehe ich mal davon aus.
Dr. Nils Rautenberg [00:25:45]:
Aber da ist ein Punkt. Ich bin bei dir, Claudia, wissen über Dokumente. Was so eine AI als Dokumente, also als Input-Dokumente versteht, ist aber auch erstaunlich divers. Also wenn man auch mal in verschiedene Branchen guckt, da findet so jeder seine Nische. Bei dem einen oder anderen Berater ist sicherlich das entscheidende Dokument die eine PowerPoint-Slide, die es jetzt zu machen gilt. Sound-Dokument. Aber hier in dem Kontext, ihr habt es ja gerade gestriffen, gerade auch in dem Rechenkern, Es gibt so ein Mantra, das ist nicht mehr bei Rechenkern richtig, nur dort, weil die Dinger so lange halten müssen, halt auch sehr pervalent und das ist die Wahrheit liegt im Code. Und die Wahrheit liegt im Code, heißt die Wahrheit ist eigentlich nur sichtbar über einen Debugger.
Anne-Marie von Weyhe [00:26:31]:
Aber auch dabei kann GenAI tatsächlich ja schon helfen, indem sie nämlich aus dem Code dann wieder etwas, was auch für, ich hätte mal gesagt für mich und dich, aber zumindest für mich dann ein Stück weit eher verständlich ist.
Alexander Bernert [00:26:43]:
Ja, das finde ich auch gut. Also wir wissen ja alle, dass beim Thema Coding Gen AI inzwischen sehr sehr weit verbreitet ist und sehr sehr viel macht und auch immer mehr macht und das kann ich natürlich auch invertieren. Am Ende ist auch Deutsch nur eine Sprache so gesehen.
Dr. Nils Rautenberg [00:27:00]:
Ich finde das sogar spannender. Ich meine, Ihr werdet das sicher auch gesehen haben, die ganzen Memes zu Weib-Coding sind ja schon eine Weile im Umlauf. Die App mit 100 Zeilen Code, die kaufe ich Cloud ab. Den 1 Mio. Zeilen Rechenkern-Code kaufe ich Cloud definitiv nicht ab. Und der Grund ist, irgendwo die Komplexität übersteigt die Trainingsdaten ums 100, wenn nicht 1000-fache, und dann wird es halt eng. Auch für die heutigen Sprachmodelle. Aber ich will gar nicht Code erst mal nicht verstehen, was da eigentlich gemacht wurde.
Dr. Nils Rautenberg [00:27:31]:
Und in der inversen Richtung, wann es Verständnis geht, kann ich auch viel besser mit AI arbeiten, weil ich es nämlich aushalte, dass das Ergebnis ein Stück innerente Stochastik hat. Das muss man sich ja auch klar machen, wenn man sich über diese Technologie unterhält, wir haben da irgendwie einen stochastischen Output inherent. Ich meine, Attention is all you need. Wer es nicht gelesen hat, sollte das unbedingt lesen. Also, Paper ist einfach extrem wichtig. Aber wer es liest, weiß auch, ich rechne ganze Zeit bedingte Wahrscheinlichkeiten für zufällige Prozesse aus und deterministisch das Richtige rauskriegen im Sinne 1 eindeutigen Antwort, so was wir von Maschinen erwarten, wird nie passieren. Weil dabei, wenn ich mir den Code erklären lasse, ist das aber zum Beispiel gar nicht so fundamental wichtig. Da muss nicht immer die gleiche Erklärung rauskommen, es muss nur eine gute sein.
Alexander Bernert [00:28:22]:
Was du sagtest, ist, wenn ich einen Monolithen habe mit 1000000 Zeilen, dann wird das schwierig. Aber in der Regel ist es ja auch nicht so, dass diese 1000000 Zeilen komplett Spaghetti-Code ist, sondern ich habe Substrukturen. Und dann, ich glaube, angesichts dessen, wie sich die Modelle in den letzten 12, 24 Monaten entwickelt haben, kann ich da tatsächlich in beide Richtungen schon eine Menge tun. Die Frage ist natürlich, ob ich es will, weil sozusagen das eine ist, dass ich Code verstehe, das andere ist, ob ich dann solchen produktiven Rechenkerncode von der AI generieren lasse und wenn ich das tue, dafür sorge, dass da die Qualität und die Outcomes stimmen, dann wird das Testing natürlich umso wichtiger.
Dr. Nils Rautenberg [00:29:08]:
Ja, da hast du recht. Und gerade an der Stelle, Alexander, deswegen sehe ich persönlich das beispielsweise auch so. Also Gott sei Dank hat die EU das längst verstanden, also versuch mal als Finanzunternehmen in einem dunklen Workflow produktiven Code durch KI schreiben zu lassen und nicht durch den EU AI Act zu rasseln. Bin gespannt.
Anne-Marie von Weyhe [00:29:31]:
Ich finde die Diskussion interessant, weil ich glaube, wenn du irgendwie eine Anforderung 2 Programmierern gibst, kommt doch auch nie im Leben derselbe Code raus. Also müssen wir tatsächlich mal sehen, wo sind denn jetzt diese Abweichungen? Halluziniert das Ding tatsächlich Blödsinn? Und da bin ich bei, dass eine KI einfach irgendwelchen Blödsinn macht, der einem guten Entwickler nie passieren würde. Auf der anderen Seite ist aber natürlich tatsächlich die Frage, wie gut wird das Ganze und was ich besonders spannend finde, ist, dass wir immer über künstliche Intelligenz reden. Und für mich ist ein Merkmal von Intelligenz eben genau, dass es nicht immer en detail nachvollziehbar ist. Und da sind wir im Moment in so 1 Bruchstelle, wo man sich angucken muss, wie wird sich das in den nächsten Jahren wirklich entwickeln. Reden wir nur über eine Erweiterung von Algorithmik oder reden wir Intelligenz? Und dann wird es ja schon fast philosophisch unter dem, was wir auch bei Menschen als intelligent verstehen, nämlich Entscheidungen, die ohne eine wissensbasierte Grundlage nachvollziehbar getroffen werden, sondern aus dem, was wir Erfahrung oder teilweise auch Gefühl heraus nennen.
Alexander Bernert [00:30:42]:
Was fairerweise meistens dann doch irgendwie Pattern Recognition auch
Anne-Marie von Weyhe [00:30:46]:
ist. Ja,
Claudia Schmidt [00:30:48]:
da möchte ich jetzt schon so ein bisschen widersprechen, ehrlich gesagt. Weil, also wenn ich Berechnungsvorschriften habe, wie ein Tarif zu rechnen ist, dann sind die in der Regel schon eindeutig. Also ich sag mal, wenn ich einen Text, kann ich sicher in verschiedenen Formen formulieren und es kann in unterschiedlichen Formen das gleiche Aussagen vom Inhalt her, aber eine Berechnung ist eine Berechnung. Da muss halt einfach das Richtige rauskommen.
Anne-Marie von Weyhe [00:31:24]:
Da glaube ich auch, dass da die Halluzinationswahrscheinlichkeit mehr und mehr abnehmen wird. Keine Frage.
Alexander Bernert [00:31:30]:
Stichwort das Richtige rauskommen. Das finde ich sehr spannend. Nils, du hattest ja das Thema gesagt, naja, also für die produktiven Systeme im dunklen Workflow da Code zu generieren, holla, das ist regulatorisch herausfordernd, aber wie ist es denn mit der ganzen Testseite?
Dr. Nils Rautenberg [00:31:50]:
Das ist besser, definitiv, aber also gerade in der Produktion, also jetzt mal ganz offen besprochen, Aktuare kalkulieren mit Risiken und das machen wir sehr gerne, aber hier habe ich ein Risiko, ich weiß heute nicht, ob mir ChatGPT in produktiven Coden Bitcoin meiner haut, wenn ich es nicht checke. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht 0. Und wenn ich das nicht sicherstellen kann, also wenn ich gar keine Koller, also Das ist für mich der entscheidende Punkt, gerade bei Produktion. Meines Erachtens ist an der Stelle die Manifestation des Kundenversprechens IT-seitig, ist die Produktion. Ich muss mir sicher sein, dass das, was da steht, auch tatsächlich dem Stand hält, was es tun soll. Und wenn ich da nicht kontrollierbare Fehlerstatistik habe, bin ich eigentlich schon raus, aus meiner Sicht, damit umzugehen. Die Frage ist, kriege ich Kontrolle über die Fehlerstatistik? Die einen sagen so, die anderen sagen so, da bin ich dabei. Wo das leichter ist, ist im Test, definitiv.
Dr. Nils Rautenberg [00:32:46]:
Und wo das auch noch viel leichter ist, ist in der Dokumentation. Und deswegen, Alexander, sehe ich auch die Stärke zunächst dort. Dass wir KI haben, die dunkel goldschreibt, glaube ich mit der Transformer-Technologie ehrlicherweise persönlich heute nicht. Dass wir aber auf der Testseite eine Menge rausholen können, das schon. Wie gesagt, für mich persönlich liegt der Fokus eigentlich darauf, dass uns Migrationen ja nicht ereilen wie Wetter, sondern die Konsequenzen von etwas sind. Deswegen nochmal den biggest impact heute sehe ich bei der Frage, muss ich es überhaupt tun, weil das ganze am Anfang, wenn ich nichts tue, muss ich migrieren. Kann ich mit der KI zu vertretbaren Kosten genug tun? Das ist eine offene frage aus meiner sicht und das eine von denen wo ich meinte das kann man vielleicht anders machen
Alexander Bernert [00:33:35]:
klar gerade wenn ich sozusagen dokumentation warten pflegen asur halten und gegebenenfalls auch immer wieder mit der realität des codes abgleichen kann dann kann mir das natürlich bei der wartbarkeit immens helfen ich wollte noch aber einen punkt in sag ich mal logik bomben mit dem bitcoin meiner im generierten code sein das kann schrägstrich muss ich ja genauso ausschließen können wenn da ein mensch sitzt der den coach schreibt also auch eine aktuar könnte das böswilligerweise tun Insofern also eigentlich für mich die Frage, wenn ich sozusagen die Gen AI ein bisschen als Blackbox betrachte, dann kann ich sie auch betrachten als jemanden, der mir etwas an die Rampe stellt, in irgendeinem wie auch immer geharteten Stück, wie es heute auch ein Programmierer tut und da muss ich ja auch kontrollieren.
Anne-Marie von Weyhe [00:34:30]:
Ich erinnere mich an einen Fall, ich habe früher viel mich mit SAP-Modulen gekümmert und da gab es dann immer so einen berühmten Fall, wo ein Entwickler mit kriminellen Absichten sich einfach immer die dritte Nachkommastelle hinter Eurobeträgen einfach auf einem Konto von ihm überwiesen hat. Als das rausgekommen ist, war der schon ziemlich reich. Also von daher, solche Dinge gab es auch früher, wenn natürlich auch in ganz anderer Form.
Claudia Schmidt [00:34:57]:
Aber es gibt aus meiner Sicht ja vielleicht auch ein Zwischenstück. Also was wir zum Beispiel bei unserem Referenzrechner versucht haben oder gemacht haben, ist, dass wir zentrale Funktionalitäten klassisch programmiert haben, aber GenAI nutzen, eben aus Geschäftsplänen die Produktparameter rauszulesen und dann quasi einfach diese Parameterdateien in den Testrechner einzuspeisen. Und das sind, sag ich mal, also wir haben großes Vertrauen in die Funktionen, die wir selbst dann programmiert haben. Und das Auslesen der Parameter aus den Dokumenten lässt sich auch einfach sehr gut überprüfen. Also man hat einfach nicht diese Blackbox, sondern wir haben eigentlich einen, ich nenne es jetzt mal Human-in-the-Loop-Point, an dem man immer auch überprüfen kann, was die, einfach überprüfen kann, was die Gen-AI an der Stelle generiert hat. Und das finde ich jetzt schon auch einen gangbaren Weg. Also man hat nie das Problem, dass es nicht nachprüfbar ist, was da gerechnet wird.
Anne-Marie von Weyhe [00:36:17]:
Vielleicht, wenn wir auf das Thema Test noch mal ganz kurz kommen, was ich halt eben auch feststelle, wenn Menschen testen, ist oft das Problem, dass sie also bestimmte Pfade von einem Code halt irgendwie x-mal durchlaufen, ohne es zu merken, weil sie gar nicht genau wissen, was die Eingabe von bestimmten Werten bewirkt. Da stellen wir auch fest, dass wenn wir Testfälle von AI generieren lassen, dass wir da zwar nicht die absolute Vollständigkeit, aber doch durch gewisse Heuristiken es so hinbekommen können, dass man mit deutlich weniger Testfällen auskommt, eine ausreichende Abdeckung tatsächlich herzustellen. Und da hilft in meinen Augen GenAI an vielen Stellen, sei es jetzt bei der Validierung von Zielsystemformeln, aber auch wenn es dann weiter geht halt in Richtung Output oder die ganze Prozesssteuerung, die da stattfindet.
Dr. Nils Rautenberg [00:37:09]:
Also wo ich definitiv Potenzial sehe, Claudia, ich finde es ist ein super Beispiel dafür, wo man das gut unter Kontrolle hat, das meinte ich ja auch, also ich gucke mit meinen Teams sehr stark darauf, findet ihr Cases, wo ihr eine Definition von Fehler kriegt und eine Kontrolle auf die Fehlerstatistik und ein Workflow, den ich glauben kann, die in den Griff zu kriegen, weil also Der naive Business Case ist, ich mache es, obwohl die Halluzinationen irgendwas machen. Der führt halt an manchen Stellen sehr weit und an anderen Stellen ist es sofort ein Showstopper. Wenn ich aber in den Prozess gehen kann, wo ich daran einen Pack ankriege, dann wird aus meiner Sicht schnell auch klar, das sind Workflows, wo es lohnt, drauf zu gucken. Und ich sehe es auch so, dass manchmal es auch sich lohnt, noch mal zu überlegen, wie kam ich denn überhaupt zu meinem Test? Also was war denn mein Testfall Designprozess und wie kam ich an meinen Testfall Matrix? Ein typischer Fall aus der Praxis, wir reden ja schließlich nicht nur über irgendwas in der Migration, ist ja auch mein Tarifplan erlaubt eine ganze Menge und meine AVBen auch, aber die Verträge, die ich habe, sind alle von dem Typ, dass ich weiß, dass das gar nicht mehr passieren kann, wird oder sollte. Und dann kann ich wunderbar testen, dass mein Code umsetzt, dass ich da irgendwas machen kann, was aber kein Kunde mehr tun wird. Und ich habe sowas von für die Toller programmiert, aber alles richtig. Also Insofern gerade beim Testfall-Design, bei der Frage, ist denn das, was ich mit den Testfällen zusammengedonnert habe, überhaupt relevant für den Quellbestand, den ich da negieren will? Das ist zum Beispiel auch so ein Pattern-Matching-Problem, bei dem ich denke, dass es ein Fair-Shot ist zu sagen, KI Erhöht die Anzahl der Leute, die es können. Denn das ist natürlich das, wo dann heute auch ganz oft jemand sitzt und sagt, das ist meine Kompetenz ganz allein.
Dr. Nils Rautenberg [00:38:53]:
Klassisches Bottleneck-Problem, sowas macht Migration auch nochmal extra teuer.
Alexander Bernert [00:38:56]:
Wenn ich jetzt mal in die Zukunft schaue, so alt sind diese Technologien, also in Masseneinsatz, noch nicht. Ich erinnere mich, ich glaube 2022 haben wir den Podcast aufgenommen, ist das das letzte Weihnachten ohne GPT. Und wenn wir jetzt mal 5 jahre oder vielleicht sogar 10 jahre weiterdenken. KI wird noch mal deutlich stärker sein. Ich glaube das wird einfach so sein. Wohin entwickelt sich das ganze denn? Lohnt es sich vielleicht, Axel, du hast ja gesagt man soll jetzt anfangen, Aber ist es vielleicht sogar so, dass man sagen könnte, die Technologie entwickelt sich so schnell, dass ich in wenigen Jahren Migration viel besser und günstiger und einfacher machen kann oder in irgendeiner Weise darauf verzichten kann. Also sozusagen warte, dass die Technologie das massiv beschleunigt oder wie ist da euer Blick?
Anne-Marie von Weyhe [00:39:52]:
Wann ist der beste Zeitpunkt, sich ein neues iPhone zu kaufen? Das im nächsten Jahr wird immer besser sein. Von daher ja. Also wenn ich den Ausblick wage, dann sage ich, was wird in Zukunft überhaupt noch migriert werden müssen? Und ich habe es vorhin ja schon gesagt, also diese Trennung von Daten und Prozessen, die sollten wir vorantreiben, damit wir in Zukunft halt eben überhaupt nicht mehr migrieren müssen. Es jetzt nicht zu tun, weil wir hoffen, dass irgendjemand noch einen Geistesblitz hat, sodass Migrationen automatisch, ohne dass sie halt eben so schmerzhaft sind, wie wir das jetzt an vielen Stellen immer noch erleben, das glaube ich tatsächlich nicht. Aber wir schaffen jetzt mit KI und mit unseren Architekturen Voraussetzungen, dass wir in Zukunft vor solchen Migrationsproblemen nicht mehr in der Form stehen werden, weil wir sagen, wir können hier bestimmte Module, bestimmte Teile der Architektur austauschen, ohne dass wir, wie das heute immer noch so passiert, gesamte Systemwelten von A nach B überführen müssen und damit eher das Plädoyer ist, jetzt zu tun, sich die Vorteile sicherzustellen, als da noch ein, 2, 3 Jahre zu warten?
Dr. Nils Rautenberg [00:41:04]:
Steige ich darauf ein, Axel, würde ich ganz genau so unterschreiben. Die Frage, die ich mir stellen muss heute ist, glaube ich denn, dass ich auf einem System sitze, der sich da hinbringen kann, dass genau das möglich ist. Weil Wie gesagt, in der Branche ist ja Migrieren heute das absolute Top-Thema, sei es, weil man noch nicht begonnen hat oder weil man mittendrin steckt, aber die Frage, ob das die Zukunft ist, die ist durch AI ein Stück auf und das ist bei vielen Technologien, wenn sie neu kommen, glaube ich auch, worauf man wirklich gucken muss. Was mache ich wirklich anders in Zukunft? Ich sehe Hoffnung, dass Axel du recht hast, wenn meine Basis stimmt und ich nicht nix tue. Weil wer jetzt nix tut, steht in 5 Jahren im Köpfen auch von demselben Scherbenhaufen wie heute.
Claudia Schmidt [00:41:53]:
Also das denke ich eben auch. Das ist auch in 5 Jahren die Frage, was ist denn eigentlich meine Ausgangslage? Wenn das System so alt ist, dann wird es schon irgendwann einen Punkt geben, wo ich es nicht einfach so auch verändern kann oder durch einen schmalen Eingriff updaten kann, sondern wo es nur noch den Weg geben wird zum Queren.
Anne-Marie von Weyhe [00:42:21]:
Und dann habe ich womöglich aber niemand mehr, der das Altsystem tatsächlich noch irgendwie versteht und es mir erklären kann. Also von daher...
Dr. Nils Rautenberg [00:42:28]:
Und dann haue ich eine große Technologie da drauf, zu hoffen, doch wieder zu verstehen, was da passiert ist.
Anne-Marie von Weyhe [00:42:35]:
Weiß nicht.
Alexander Bernert [00:42:36]:
Weiß ich auch nicht. Das ist natürlich ein wichtiger Punkt. Vielleicht ist es auch jetzt auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt, zu sagen, ich nehme mal welche Werkzeuge auch immer, aber sowas, also KI eigentlich, und sorge dafür, solange ich noch möglichst viele der leute das system von grund auf kennen die aktuare die lang dabei sind die die alten tarife noch kennen und so weiter zumindest einmal alles sehr sehr sauber zu dokumentieren. Auch wenn ich jetzt vielleicht noch nicht migrieren möchte aus irgendwelchen Gründen. Da kann es ja auch Gründe für geben. Aber dass ich zumindestens die Basis schaffe und sicherstelle, die ich jetzt vielleicht noch besser sicherstellen kann, wenn ein KI von mir eine Dokumentation erstellt und der erfahrene Aktuar drauf guckt. Aber in 3 Jahren ist dieser erfahrene Aktuar in Rente. Ja, dann vielleicht noch eure persönlichen Erfahrungen mit Migration.
Alexander Bernert [00:43:32]:
Ein Migrations-Aha-Moment, ein Testfall, der alles gerettet hat, ein Satz, der euch da immer wieder die Energie gibt. Gibt es da noch von euch Gedanken?
Anne-Marie von Weyhe [00:43:44]:
Also Wenn ich einen Kundensatz habe, der mich antreibt, dann höre ich immer wieder, wir sind ganz speziell, sowas haben Sie bestimmt noch nicht gesehen, Herr Guttula. Und dann sage ich, ja, das stimmt, sowas habe ich tatsächlich noch nicht gesehen, aber haben Sie sich mal gefragt, welche Spezialität ihrem Kunden zugute kommt und was sie nicht nur aus gelobter interner Tradition so ewig machen. Und da wird in meinen Augen noch viel zu wenig in der IT darüber nachgedacht. Was hebt den Versicherer hervor, was macht man im Sinne des Kunden und was macht man eigentlich nur so, weil man das schon immer, wie gesagt, der Kölner schon ever so gemacht hat.
Claudia Schmidt [00:44:24]:
Also ich hätte eine kleine Anekdote zu der Testfall, der alles gerettet hat. Also wir haben bei einem Kunden, gab es eine Rente für Nulljährige und durch einen fehlenden Eintrag in der Sterbetafel wurde der Nulljährige wie ein Hundertjähriger gerechnet. Das heißt, der hätte sich über eine sehr, sehr hohe lebenslange Rente gefreut. Und genau, und diesen Fehler haben wir kurz vor knapp gefunden. Jetzt muss ich ehrlicherweise dazu sagen, es war ein bisschen auch Zufall, dass wir dann das noch gefunden haben.
Dr. Nils Rautenberg [00:45:05]:
Spannend. Ich glaube, was ich über Migrationen gelernt habe, ist, unsere Branche kam immer vom Tarif Und es ist echt sinnvoll, auch mal vom Prozess zu kommen. Und wer migriert, lernt das auf die harte Tour.
Alexander Bernert [00:45:25]:
Da muss man sich als Aktuar richtig umgewöhnen.
Dr. Nils Rautenberg [00:45:29]:
Dazu lernen.
Alexander Bernert [00:45:30]:
Ja. Ja, wunderbar. Dann kommen wir jetzt zum Abschluss der unseren bekannten Famous Last Words und wie man euch erreichen kann, wenn man die Diskussion vertiefen möchte. Famous Last Words je plakativer desto besser. Das was ihr schon immer mal als Phrase raushauen wolltet oder Phrasen, die ihr nicht mehr hören könnt. Da habt ihr jetzt die Gelegenheit. Migrieren macht Spaß! Wow!
Claudia Schmidt [00:46:01]:
Ich habe eine bessere. Zielsystem führt. Auch gut.
Anne-Marie von Weyhe [00:46:07]:
Eigentlich schlecht. Und ich sage, lassen Sie es doch einfach gemeinsam mal ausprobieren. Das wird schon.
Alexander Bernert [00:46:14]:
Oh, ja. Vielen Dank. Wie kann man euch jeweils am besten erreichen? LinkedIn sicherlich und sonst?
Dr. Nils Rautenberg [00:46:24]:
Ich glaube LinkedIn ist bei mir ein super Einfallstore. Ich werde reagieren.
Anne-Marie von Weyhe [00:46:28]:
Ja, das bietet sich an und ansonsten auf den üblichen E-Mail- oder auch WhatsApp-Kanälen.
Alexander Bernert [00:46:36]:
Ja, dann ganz herzlichen Dank, Claudia, Axel, Nils. Das waren spannende Einsichten, eine sehr schöne Diskussion. Vielen Dank. Und an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert den Podcast, teilt die Episode, denn Teilen macht glücklich und einfach machen! Machen. Danke fürs Zuschauen! Untertitel von Stephanie Geiges